LINDAU – Lindau mag zwar nicht Salzburg sein, doch hinsichtlich der Internationalität des Publikums kann es sich derzeit ohne weiteres mit der Festspielstadt messen. Festspielwürdig war auch die Qualität des Orchesterkonzertes im Stadttheater.
Vorbildlich hat das global tätige Finanzuntemehmen UBS gezeigt, dass „voll besetzt“ nicht dasselbe wie „ausverkauft“ ist: Beim Konzert des „UBS Verbier Festival Chamber Orchestra“ war der Saal zwar voll besetzt; da es sich aber um ein gesponsertes Konzert bei freiem Eintritt im Rahmen der Nobelpreisträgertagung handelte, konnte das Publikum keine Karten kaufen…
Wie in den vergangenen Jahren, ließ der renommierte Geiger und Dirigent Dmitry Sitkovetsky die jungen Musikerinnen und Musiker aus rund 15 Ländern – Deutschland war nicht vertreten – zu spielerischer Hochform auflaufen. Ihr Name bezieht sich auf Verbier, das kleine Schweizer Dorf, wo seit Jahren außergewöhnliche Begegnungen zwischen Weltstars, Meisterschülern und Publikum stattfinden ebenso wie das gleichnamige Festival. Das „UBS Verbier Festival Orchestra“ und das daraus gebildete „Chamber Orchestra“ haben sich inzwischen zu viel beschäftigten Klangkörpern für Solisten wie etwa Lang Lang, Evgeny Kissin, Mischa Maiksy oder Thomas Quasthoff entwickelt. Und weshalb das so ist, war schon nach den ersten Minuten hörbar.
Mozarts Violinkonzert D-Dur KV 218, bei dem Sitkovetsky selbst den Solopart übernahm, versprühte von Beginn an kontrollierten Schwung und spielerischen Glanz; das Zusammenspiel zwischen der Solovioline und den Streichern im Orchester entsprang dem gleichen Geist. Jede Synkope und jede rhythmische Raffinesse wurde präzise aufgespürt und in ein lebendiges Miteinander verwandelt: Mehr als einmal spiegelte sich dabei der Stolz auf das so gewonnene klangliche Ergebnis in den Gesichtern der Musiker wider.
Noch deutlicher wurde diese rhythmische Sicherheit in Strawinskys „Concerto in D“. Der tänzerische Reiz im ersten und die filigrane Struktur im letzten Satz offenbaren sich in besonderer Weise, wenn der Streicherapparat so sicher jede technische Hürde nimmt wie im Falle dieses Orchesters.
Publikum klatscht begeistert
Mit Elan ging es ans letzte reguläre Werk, Haydns „Abschiedssinfonie.“
Der Sturm-und-Drang-Charakter des ersten Satzes erwies sich als willkommene Vorlage für das hochmotivierte Orchester, in dem besonders die beiden Hornisten zur Geltung kamen. Wie immer hatte das Publikum beim letzten Satz seinen Spaß, wo die Musiker nach und nach ihr Pultlicht löschen und die Bühne verlassen, um nur noch zwei Geiger zurückzulassen. Haydn wollte mit diesem Einfall seinen Fürsten auf den längst fälligen Urlaub seines Orchesters hinweisen – übrigens mit Erfolg.
Den begeisterten Applaus im Stadttheater belohnte das Orchester mit zwei fast gegensätzlichen Zugaben: dem mitreißenden „Presto“ aus Mozarts D-Dur Divertimento KV 136 und Leopold Stokowskis Bearbeitung des wundervoll getragenen h-Moll-Präludiums von Bach.