LINDAU – Ein hervorragendes musikalisches Angebot mit inzwischen sieben ausverkauften Konzerten, laufend neue Mitglieder, und ein immer wichtigerer Platz im Kulturleben Lindaus: der Jazzclub ist im Hoch.
Und an manchen Abenden widerfährt ihm dann das, was auch bei abgebrühten Besuchern als „musikalische Sternstunde“ durchgehen könnte. Davon also muss die Rede sein, wenn über das Konzert des „Barbara Saskia-Quintetts“ berichtet wird. Es waren großartige Musiker, wahrhafte Jazzer mit Leib und Seele, die zuletzt dem Jazzclub die Ehre gaben. Und doch wurde man angesichts der stimmlichen Klasse und der unerhörten Gestaltungskraft von Barbara Saskia mit Band daran erinnert, dass es doch noch etwas gibt, was zwischen hervorragenden Musikern einerseits und begnadeten Künstlern andererseits liegt. Gewiss, es war der „facettenreiche Brasil-Jazz“, der da angekündigt war, und auch das Prädikat „Extraklasse“ gehört ab einer bestimmten Qualität zum legitimen Werbevokabular.
Doch was hier an sensiblem Zusammenspiel zwischen Stimme und Saxophon, zwischen Freddie Bryants Gitarre und der Percussion stattgefunden hat, müsste jeden Kammermusiker ins Staunen versetzen – und ob der spannungsvollen, vor Phantasie überbordenden Vitalität wohl auch ein bißchen neidisch machen. Soviel musikalischer Dialog, soviel intimes Zwiegespräch zwischen Stimme und Instrumenten war selten, und noch seltener auf diesem Niveau. Die Lust an reizvoller Klangkombination, der lässige Drive und die rhythmischen Besonderheiten brasilianischer Musik wurden kongenial umgesetzt, und die schöne Barbara Saskia erbrachte den Beweis, dass schwieriger Gesang und charmantes Lächeln durchaus zu einer ästhetischen Verbindung fähig sind.
So konnte es kommen, daß ausgerechnet nach einem besonders ruhigen Stück bewundernder Beifall aufbrauste und ein sublim-virtuoses Saxophonsolo mit andächtiger Stille geadelt wurde. Und so war es auch kein Wunder, daß selbst notorische Raucher diesmal den Wunsch nach vorläufigem Verzicht respektierten: dass man Gesangskünstlern keinen Qualm ins Gesicht bläst, schien bei einer Sängerin vom Range Barbara Saskias besonders einsichtig; auch nicht einer Band, die das Publikum in Begeisterung und Bewunderung versetzt – und den Rezensenten ins Schwärmen.