Romantische Komödie (Bernard Slade)

Das Warten hat sich gelohnt – auch für das Paar auf der Bühne 

Ein bisschen lange hat es schon gedauert, bis endlich eine richtige Lovestory daraus wurde: 14 Jahre im Leben, zweieinhalb Stunden auf der Bühne des Stadttheaters. Dranbleiben hat sich aber gelohnt – für Spieler und Zuschauer gleichermaßen.

Mutig, mutig: Da traut sich der Kanadier Bernard Slade eine Komödie zu schreiben, die er auch noch „romantisch“ nennt, und beschreibt im Grunde nichts weiter als den langjährigen Prozess einer Annäherung von zwei vollkommen unterschiedlichen Menschen. Mehr noch: der eine – Autor Jason Carmichael – heiratet bereits am Anfang; die andere – Provinzlehrerin Phoebe Craddock – tut es nach zehn Jahren. Nochmal vier Jahre später aber scheint endlich doch zusammenzuwachsen, was zusammen gehört. Sigmar Solbach, der sich in Lindau in Topform präsentierte, war es vorbehalten, den arroganten Schnösel zu geben. Als zunächst erfolgreicher Bühnenschriftsteller bedient er alle Klischees, die man von früheren Komödien kennt: launisch, intelligent, selbstsüchtig – und dabei ziemlich anziehend auf das andere Geschlecht. Man muss es Sigmar Solbach und seiner Regisseurin Pia Hänggi hoch anrechnen, dass sie kein hochnäsiges Party-Ekel aus dieser Rolle gemacht haben, sondern einen labilen Erfolgstypen, der nach und nach seine Schwächen erkennt und immer häufiger zu erstaunlichen Gefühlsmomenten fähig ist – jedenfalls für seine und für männliche Verhältnisse.

Den Grund dafür liefert Phoebe Craddock, die ganz unerwartet ins Leben des Bühnenautors platzt. Einen langen Moment dauert die zugehörige Schlüsselszene im ersten Akt, als sich beide lange, fast überrascht anblicken, und von nun an wird Phoebe eine wichtige Rolle spielen: Sie wird Mitarbeiterin, Co-Autorin, Familienfreundin, Berufsrivalin und – nach vielen Umwegen – schließlich doch noch seine Geliebte.

Von Beginn an fesselt und amüsiert in dieser Rolle Julia Jaschke, die den Wandel von der linkischen und unscheinbaren Provinzmaus zur eleganten Erfolgsautorin mit Hingabe, Phantasie und Natürlichkeit – bis hin zur Wahl ihrer „weiblichen Waffen“ – vollzieht. Dabei gelingt es sowohl ihr als auch dem Autor auf verblüffende Weise, den Grad der Anziehungskraft von Phoebe immer weiter zu erhöhen; sie wird zunehmend hübscher und selbstbewusster, kann sich am Ende sogar auf das Thema „Sex“ verständigen, und man beginnt zu ahnen, welches Gefühlsdilemma sich da für Jason Carmichael auftut.

Banales gibt es nicht

So entwickelt sich die „Romantische Komödie“ tatsächlich zu einem durchwegs spannenden und überaus unterhaltsamen Theaterstück, das entgegen vielen Erfahrungen in diesem Genre fast nie schwächelt oder gar in Banalität versinkt. Geschickt versteht es der Autor, eine interessante Personenkonstellation zu schaffen und sie in lebendigem Schwung zu halten; dazwischen gewährt er immer wieder Einblick in die Werkstatt von Bühnenautoren und meint es vermutlich ernst, wenn er hin und wieder von den Folgen schlechter Theaterkritiken oder gar eines Verrisses spricht. Selten jedenfalls bot eine Komödie dazu so wenig Anlass wie diese „Romantische Komödie.“