LINDAU – Wieder ist es dem rührigen Organisator der „New Orleans Concert-Series“ gelungen, eine Band mit Kult-Status nach Lindau zu holen: Die „Climax Blues Band“ hat im Club Vaudeville für Begeisterung gesorgt und musste fast eine dreiviertel Stunde lang Zugaben spielen.
63 Jahre ist der Gründer, Sänger, Saxophonist und Mundharmonika-Spieler der „Climax Blues Band“ jetzt alt. Vor 26 Jahren hatte die Band mit „Couldn’t Get It Right“ ihren größten Hit. Ein Konzert also für Nostalgiker? Keineswegs. Eher eine musikalische Demonstration für handwerkliches Können und die Sicherheit im Umgang mit allen Varianten des Blues. Und das mit einer Liveband, die auch nach 16 Alben nichts von ihrer Spontaneität und ihrer unmittelbaren Wirkung auf das Publikum verloren hat.
Wenn Colin Cooper seine eindrucksvolle Bassstimme erhebt, um etwa „Take Me Back To Georgia“ zu zelebrieren, dann hat das erst einmal etwas Unverwechselbares. Sein Saxophonspiel, mehr noch sein virtuoses Spiel auf der Mundharmonika erklären, wie der Kultstatus dieser Band stetig wachsen konnte. Kommen dann noch George Glovers unverwechselbare Keyboards mit dem berühmten Hammond-Sound hinzu oder Lester Hunts Gitarre, die immer wieder wahre Saiten-Orgien vollführt, dann hört man regelrecht, weshalb die Climax Blues Band zu einer so festen Größe innerhalb der britischen Bands geworden ist. Mit „Spoonful“ von „Cream“ erinnern sie dann an jene Band, die sich 1968 gerade aufgelöst hatte, als die „Climax Blues Band“ ihren Anfang nahm.
Mit einer packenden Version von „Little Red Rooster“ zeigen sie dann, dass die Wurzeln aller Pop-Musik im Blues liegen. Mit „Let the good times roll“ setzen sie diese Stimmung fort und teilen sich mit dem begeisterten, überwiegend älteren Publikum bei „Let’s Work Together“ sogar den Refrain. Wie groß die Spielfreude bei der „Climax Blues Band“ ist, zeigt sich nach dem offiziellen Ende des Konzertes: fast 45 Minuten erklatschen sich die Zuhörer ihre Zugaben, unter denen Muddy Waters bluestriefendes „Hoochie Coochie Man“ zum hinreißenden Höhepunkt avanciert. Insgesamt ein Live-Konzert, bei dem auch die Jüngeren schnell verstanden haben, weshalb sich kaum jemand der Wirkung solcher Musik entziehen kann.