Der Theatermacher (Thomas Bernhard)

Ein trotzig-ironischer Schlag mit wohldosierten Spitzen

Noch einmal durfte mit einem Stück, das Theater übers Theater macht, Einblick in dessen Welt genommen werden. Doch diesmal taten das weit mehr Zuschauer als noch bei „Gretchen 89ff“, das einen ähnlichen, allerdings komödiantischeren Ansatz hatte. Mit Horst Sachtleben fand „Der Theatermacher“ von Thomas Bernhard einen kongenialen Vertreter.

„Was-hier?“ Diese ersten Worte waren angesichts des heruntergekommenen Wirtshaussaals, in dem Bruscons „Jahrhundertwerk“ abends aufgeführt werden sollte, wahrlich berechtigt. Hier also ist dieser Theatermacher und Staatsschauspieler – nach eigener Einschätzung gleichberechtigter Teil jenes literarischen Dreigestirns Shakespeare-Voltaire-Bruscon – gelandet: Im 280-Seelen-Dorf Utzbach, der „Eiterbeule“ Österreichs, jenem Land, mit dem auch der

Autor bekanntermaßen seine Schwierigkeiten hatte. Von hier aus also wird Thomas Bernhard diese Theaterfigur vorschicken, um gegen die Fragwürdigkeit der Kunst, die Macht der Feuerwehrleute und das Mittelmaß an sich zu wettern. Und um gelegentlich daran zu erinnern, dass Theaterleute sich und ihr Metier vielleicht doch ein wenig überschätzen.

Da stehen sie nun, Christian Janda als begriffsstutziger Wirt von Utzbach (Bruscon: „Mein Gott, was für eine Existenz!“) und Horst Sachtleben in der Titelrolle. Man ahnt, dass ihm der Inbegriff künstlerischer Selbstherrlichkeit vorschwebt, an dem er sich gleich zwei Stunden lang abarbeiten wird. Die uns aus seligen Colombo-Tagen vertraute Stimme fegt den Muff und das Ordinäre aus der Wirtshausbude, sie vermag Kunst gegen Schweinegestank zu positionieren, aber sie wird uns auch sagen, wie vergeblich sie sich oftmals abmüht.

Thomas Bernhard konnte sich natürlich die Gratwanderung zwischen zündenden Gedanken und alltäglicher Theatersprache leisten; Horst Sachtleben passt sich diesen Vorgaben an und wechselt sicher zwischen genialem Spiel und platter Übertreibung. Die nahezu stummen – soll man sagen: verstummten? – Rollen neben ihm beschreiben dabei anschaulich die Folgen, die im Umkreis selbstverliebter, allein auf sich selbst bezogener Kunst eintreten können. Wie lächerlich sie werden kann, wenn sie inmitten einer desinteressierten Umgebung um allerhöchsten Anspruch ringt, gehört zu den laut vernehmbaren Denkanstössen dieser Inszenierung von Pia Hänggi.

Dazwischen verwandelt sie Bernhards trotzig-ironischen Rundumschlag in wohldosierte Spitzen gegen schlecht sprechende Schauspieler („überall wird heute geplärrt“),  geistlose Schauspielerinnen, das Tourneetheater insgesamt und die Inkompetenz von Kritikern. Dies soll aber diesen Bericht nicht davon abhalten, von einer Aufführung zu sprechen, die sich nahtlos in die hohe Ausbeute guter Stücke innerhalb dieser Saison einfügt – am kommenden Samstag ist Finale.