Ein Quartett präsentiert „unsere Sicht auf Jazz“

 LINDAU – Drei Jahre nach seinem letzten Auftritt ist das Cecile Verny Quartett erneut ins Zeughaus gekommen. Die vielen Zuhörer ließen sich gern auf jenes musikalische Terrain entführen, das die charismatische Sängerin als „unsere Sicht auf Jazz“ bezeichnet.

Sängerinnen haben in den letzten Jahren das Bild des Jazz stark geprägt, vielleicht auch dazu beigetragen, dass die Grenzen zwischen den verschiedenen Musikstilen ein wenig durchlässiger wurden. Ihre erfolgreichsten Vertreterinnen, zu denen neben Norah Jones, Jane Monheit oder Diana Krall mittlerweile auch Cecile Verny gehört, haben sich dabei kaum von solchen Grenzüberschreitungen abschrecken lassen – wohl auch, weil die erzielte „Massentauglichkeit“ stets von Musikern gestützt wurde, deren technisches Können und Sicherheit im Umgang mit den wichtigsten Jazzdisziplinen unbestritten ist.

Cecile Verny, die als 12-Jährige von der Elfenbeinküste nach Deutschland kam, entzieht sich ohnehin jedem Versuch, ihre und die Musik ihres Trios in eine Schublade stecken zu wollen: Die Vielfalt ihrer stimmlichen Ausdrucksmöglichkeiten trifft im Soul denselben richtigen Ton wie in den bewegten Swingnummern oder den sanften, überaus intensiv vorgetragenen Balladen. Oft greifen die Musiker dabei auf englische Lyrik – vor allem auf die von William Blake – zurück, aus der sich dann ein ungemein farbiges und intimes Zusammenspiel entwickelt. Apropos Musiker: Trotz der unaufdringlichen und natürlichen Dominanz der Sängerin hat man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, als wären Torsten Krill am Schlagzeug oder Bassist Bernd Heitzler nur musikalische Statisten – um wie viel weniger Pianist Andreas Erchinger, der auch den kompositorischen Löwenanteil hatte. Nein, es sind absolut gleichwertige Partner, die mit kammermusikalischer Wachsamkeit eine Musik zelebrieren, deren Sog sich kaum jemand entziehen konnte. Jedem von ihnen boten sich dabei genügend Freiräume, um solistisch zu glänzen und das „abzuliefern“, was gerade das Jazzpublikum erwartet: spannende Improvisationen, gepaart mit klanglicher Raffinesse und technischer Selbstverständlichkeit. Dass all dies eingebettet war zwischen Stücken, die zwar äußerlich recht unterschiedlich wirkten, insgesamt aber von ihrer hohen atmosphärischen Dichte lebten, prägte dieses Konzert in besonderer Weise.