LINDAU – Trotz sparsamster Mittel gehört das „Stabat Mater“ von Pergolesi zu den ausdrucksvollsten und populärsten Kirchenwerken. Vom Cembalo aus hat jetzt Nikolaus Schwärzier das Werk mit zwei Sängerinnen, Frauenchor und Streichquartett im Münster zu Gehör gebracht.
Wenn damals ein Kind schon mit 15 Monaten gefirmt wurde, bedeutete das nichts Gutes: In der Regel war es dann um seine Gesundheit schlecht bestellt, und man wollte wenigstens den kirchlichen Segen sicherstellen. Giovanni Battista Pergolesi war so ein Fall, der zeitlebens schwächelte und darüber hinaus mit einem schweren Beinleiden zu kämpfen hatte. Tatsächlich währte sein Leben nur 26 Jahre, und in seinem letzten – man schrieb das Jahr 1736 – konnte er gerade noch sein „Stabat Mater“ vollenden. Weil es innerhalb der Mauern eine Kapuzinerklosters entstand und es dort auch zur ersten Aufführung kam, wurden Sopran und Alt anfangs von Männerstimmen übernommen. Auch bei heutigen Aufführungen werden diese Partien jetzt hin und wieder von Counter-Tenor oder Alto übernommen, doch es würde den finanziellen Rahmen auch noch so engagierter Kirchenmusiker sprengen, wenn er hier auf die wenigen wirklich guten Vertreter dieses Stimmfachs zurückgreifen wollte.
Auch im Münster hat man mit der Sopranistin Regina Kuhn und Beate Müller-Schöpf auf zwei Sängerinnen gebaut, und sie waren mit der Partitur offenbar gut vertraut. Im Verlauf der Aufführung fanden sie in Punkto Einsatz und stimmlicher Balance zu immer größerer Übereinstimmung, die sich insbesondere im berühmten Schluss-Duett „Inflammatus et accensus“ zu geradezu sinnlicher Wirkung entfaltete. Erfreulich auch, wie das zunächst starke Vibrato im Sopran allmählich zurückgenommen wurde und dafür umso wirkungsvoller vor allem dann zum Einsatz kam, wenn es um die besondere Hervorhebung eines musikalischen Gedankens oder Affektes ging. Auch Beate Müller-Schöpf, in den Tiefen zunächst etwas zurückhaltend, machte wohl einen ähnlichen Prozess durch: Immer mehr jedoch setzte sich der interpretatorische Ansatz Nikolaus Schwärzlers durch, der zwischen nüchterner Eleganz und dem berechtigten Vertrauen auf die Partitur angelegt war, die trotz ihrer reduzierten Form so viel Tiefe und Kraft zu entwickeln weiß.
Streicher und Chor beeindrucken
Bei den Streichern ist besonders Wolfgang Ferber hervorzuheben, der ein ums andere Mal zum sensiblen Partner der beiden Solistinnen wurde und dabei manch kompositorische Schönheit seiner Violinstimme zu Tage förderte. Doch auch seine drei Partnerinnen – Inge Hager, Maria Häberle und Marlis Kiraly – erwiesen sich als überaus kompetente Musikerinnen, um Pergolesis Partitur zwischen seinen barocken Nachklängen und der frühklassischem Handschrift zum Leuchten zu bringen.
Uneingeschränktes Lob muss auch dem ausgewählten Frauenchor des Münsters attestiert werden: Er präsentierte sich intonationssicher und ausdrucksvoll, nahm die Synkopen im „Fac ut ardeat cor meum“ leicht und rhythmisch und imponierte durch seine Klarheit in den Höhen. So hatte er großen Anteil an der überzeugenden Umsetzung dieses Geniestreiches, den uns Pergolesi für die Passionszeit hinterlassen hat.