LINDAU – Mittlerweile bürgt Sabina Chukurowas Name für die Qualität, auf die sich die Freunde Mozart’scher Klaviermusik seit langem im Gewölbesaal verlassen können. Zu hören waren Bekanntes, aber auch Werke, die der Konzertbetrieb meist vorenthält.
Vielleicht ist das eines der Geheimnisse, die das Spiel der jungen Pianistin aus Tadzikistan so unmittelbar wirken lässt: Es gibt einem das Gefühl, Zeuge beim Aufspüren einer bestimmten Wendung oder eines besonderen musikalischen Einfalls zu sein, der sich dann in einem Lächeln, einem Hauch des Staunens, einem bewundernden Blick widerspiegelt.
Natürlicher Fluss kombiniert mit dem Mut, mancher Pause die entscheidende Verlängerung, mancher Synkope einen frechen Anschub zu verleihen, machen ein Konzert mit Sabina Chukurowa zu einem kurzweiligen, dabei hochmusikalischen Vergnügen.
Das stellte sich bereits bei den fünf kurzen Stücken aus dem „Londoner Skizzenbuch“ ein, das in dieser Reihe – ehrenvoll genug – auf die verschiedenen Konzerte verteilt ist und somit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Auch das improvisationsfreudige Capriccio KV 395 dürfte ebenso selten den Weg aufs Konzertpodium gefunden haben wie der ziemlich witzige „Kleine Trauermarsch“. Natürlich standen aber die beiden Sonaten KV 332 und KV 331 – jene mit dem berühmten „Türkischen Marsch“ – im Mittelpunkt des Nachmittages.
Die Pianistin überzeugt
Einmal mehr überzeugte die Pianistin mit einer eigenständigen, aber in sich stimmigen Interpretation. Etwa der schier gefühlsneutrale, aber ungemein verheißungsvolle Beginn der A-Dur Sonate, der wahre Wiedererkennungsszenen unter den vorwiegend älteren Zuhörern auslöste; oder auch das leichte, fast schwebende „Alla turca“ in der gleichen Sonate.
Obwohl Sabina Chukurowa diesmal ein paar Noten daneben gingen, haftete ihrem Vortrag trotzdem stets etwas Bezwingendes an. Und das zeigte sich auch in der Zugabe, die dem Konzert einen schönen und würdigen Abschluss gab: Die Klavierbearbeitung über Bachs Choral „Jesu bleibet meine Freude“.