LINDAU – Nicht einmal Thomas Gottschalk im benachbarten Dornbirn konnte die Erfolgssträhne des Jazzclub unterbrechen: knapp fünfzig Zuhörer füllten den Keller im „Zecher“ und boten dem „Wolfgang Engstfeld Quartett“ den gebührenden Rahmen.
Nicht alles wiederholt sich. Nach dem Besucherdebakel vor vielen Monaten – damals war der Jazzclub noch auf Heimatsuche – konnten sich die Musiker um Engstfeld diesmal über wahre Kelleratmosphäre freuen. Die aber stellt sich dann ein, wenn alle Plätze besetzt sind. Von dort aus setzten also diesmal die vier Herren aus Düsseldorf zu einer Improvisationsorgie an, die manchen Kenner der Szene zu Äußerungen der Superlative hinriß.
Dass sich mit der Standardbesetzung Tenorsaxophon, Piano, Schlagzeug und Bass das Feld des Jazz besonders ergiebig beackern lässt, ist bekannt. Handelt es sich dabei doch um die Platzherren der Disziplinen Melodie, Harmonie, Rhythmus und Fundament. Doch um sich dort soweit vorzuwagen, muss das musikalische Rüstzeug extrem sicher sein. Und so schafften es selbst die irrwitzigsten Läufe Wolfgang Engstfelds nicht, die anderen drei aus der tiefen Spur zu werfen, die er mit seiner Improvisationskunst grub. So entstanden Stücke, die einer vierfach parallel geschalteten Intuition zu entspringen schienen. Manch klingende Gedanken liefen wie suchende Kinder durchs harmonische Gestrüpp, und kein einziges Mal geschah es, dass sie nicht wieder zueinander gefunden hätten. Es war ein Vergnügen, der Kunst von Peter Weiss am Schlagzeug zu folgen – wie dieser zunächst zwei verschiedene Rhythmen angetäuscht hatte, um sich schließlich auf einem dritten davonzumachen. Seine verschiedenen Soli zeugten dabei gleichermaßen von rhythmischer Fantasie als auch sensibler Klangvorstellung.
Den großzügigen harmonischen Rahmen nutzte auch Pianist Hendrik Soll, der seine Fingerfertigkeit und sein grandioses Vorstellungsvermögen wirkungsvoll einzusetzen wusste. So war erneut ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Jazzkonzert zu hören, das den Jazzclub nicht nur als vitalen Veranstalter, sondern auch als Garant für beste Qualität ausweist.