Dreiklang aus Musik, Bildern und Essen

LINDAU-Einen geeigneteren Termin zum Thema „Fremd-Sein“ hätte die Bunte Liste kaum erwischen können. Und einen unterhaltsameren wohl auch nicht. Dank des Spielbodenchorei Dornbirn entstand ein Dreiklang aus Musik, Bildern und Essen, der mehr hielt, als die Ankündigung „Fremdsein ist ein Witz“ vermuten ließ.

Wenn man sich nur fest darauf konzentriert, findet sich eine beängstigend große Zahl von Redewendungen oder Begriffen, die hartnäckig von dem Wörtchen „fremd“ belagert werden. Zwischen hochoffiziellem „Fremdenverkehr“, kindlichem „fremdeln“ und dem bereits statistisch erfassten

„Fremdgehen“ hat es sich eingenistet und mittlerweile zu schönster Selbstverständlichkeit gebracht. Gewöhnt aber haben wir uns ebenso an Döner, Tiramisu oder Ouzo. Und an Bilder schwarzer Afrikaner, verschleierter Frauen und fröhlicher Chinesen.

Zunächst fremd, wurden viele solcher Bilder dann in unseren Köpfen „einheimisch“, manche Speisen und Getränke zur schieren Selbstverständlichkeit. Dem „Spielbodenchor Dornbirn“ und seinem Leiter Ulrich Gabriel ist eine gute Lösung eingefallen, um gelegentlich an diesen Umstand zu erinnern. Und sie wussten, dass dieser „Versuch, Verständnis herzustellen“, am besten über die Kultur funktioniert.

Bereits am Eingang zum Zeughaus wurden hierzu Schweizer Jaßkarten an die Ankömmlinge verteilt, die nun gehalten waren, sich nur an dem Tisch niederzulassen, wo sich das jeweilige Spielkarten-Gegenstück befand. Die Folge: wahrscheinliche Nachbarschaft zu einem – „Fremden.“ Dorthin wurde dann jeweils ein „fremdländisches“ Essen oder“ Getränk gebracht und die so geschaffene Tischrunde hat das dann beim Aufruf „ihrer“ Karte gemeinsam, oftmals recht kreativ benannt.

Damit aber nicht genug: zusammen mit einem meist auf beachtlichem Niveau vorgetragenen Chorstück – wahrlich aus aller Herren Länder – oder einem Text, der ebenso zufällig gewählt war wie die Dia-Projektionen eindrucksvoller „Menschenbilder“ entstand plötzlich eine unaufdringliche Variante der immergleichen Frage: wieso „befremdet“ soviel Vielfalt anstatt zu bereichern?

Denn gerade bei den Liedern wurde dieser Reichtum hörbar – und das nicht nur bei bekannten Stücken wie „Strangers in the Night“, „Hänschen klein“ oder dem umjubelten „Unter fremden Sternen“; gerade die vergleichsweise „exotischen“ wie etwas jenes mazedonische Volkslied, das der Hauptorganisator Karl-Heinz Brombeis mittels Spielkarte als Zugabe zog, vermittelte viel vom Reiz anderer Länder.

Immerhin hat das phantasievolle Konzept und die besondere Atmosphäre dieser Veranstaltung manches von den Chancen der viel zitierten „offenen Gesellschaft“ aufblitzen lassen. Überdies hat der Fleiß, mit der die Bunte Liste dafür geworben hat, dem Zeughaus ein volles Haus beschert. Sie hat durch ihren Einsatz auch gezeigt, wie „fremden“ Künstlern das Risiko, vor zu wenig Publikum zu spielen, genommenwerden kann.

Vor diesem Hintergrund bleibt eigentlich nur zu wünschen, dass sich bei künftigen Veranstaltungen dieser Art noch mehr „Fremde“ gegenübersitzen: denn vorerst bestanden sie vor allem aus Deutschen, Schweizern und Vorarlbergern.