LINDAU – Drei Tage hat die Feier zum 50. Geburtstag des Jazzclubs Lindau gedauert. Jetzt werden die Veranstalter froh und erleichtert sein: Die immensen Vorbereitungen sind durch guten Besuch, passendes Wetter und musikalische Vielfalt belohnt worden.
Dass der immer vitaler wirkende Jazzclub die beträchtliche Zahl kultureller Angebote Lindaus seit nunmehr 50 Jahren bereichert, wird längst auch außerhalb der entsprechenden Szene wahrgenommen. Dies ist sicherlich das Hauptverdienst der damaligen Gründungsmannschaft um den legendären Rolf „Hase“ Riedl, der fast 33 Jahre lang Vorsitzender war. Seit dem Jahr 2000 – und damit am zweitlängsten – leitet nun Herbert Kiefer die Geschicke des Clubs, und bei einem solchen Jubiläum muss sicherlich auch erwähnt werden, dass es nie zuvor eine solch bemerkenswerte Entwicklung des Mitgliederstandes gegeben hat: Er ist von 70 bei „Übernahme“ auf mittlerweile 158 gestiegen. Das hat sicherlich mit der unprätentiösen, trotz allem aber leidenschaftlichen Art zu tun, mit der Kiefer für den Club wirbt, wohl aber auch mit einer gewissen Öffnung, die seitdem festzustellen ist: Nicht nur ist die musikalische Bandbreite größer geworden, sondern auch die Anzahl der Orte, an denen diese Musik präsentiert wird.
Vor diesem Hintergrund war es die richtige Entscheidung, für die Ausrichtung des „Fünfzigsten“ das Zeughaus, den Unteren Schrannenplatz und den Biergarten des „Köchlin“ zu wählen, weil ihr Flair und Ambiente die meisten Zuhörer und die geringsten Hemmschwellen erwarten ließen. So war bereits der erste Abend, als Mahdi Millas „Jazz Colors“ und Wolfgang Fausers „Unlimited Jazz Quartett“ mit Filippa Gojo eine recht hohe Spannbreite aufzeigten, die der Jazz zu bieten hat, ein echter Publikumserfolg: komplex, verstörend, oft provozierend Mahdi Millas Musik, eher auf die Wirkung bekannter Standards vertrauend dann Wolfgang Fauser & Co, die den zweiten Teil des Abends bestritten.
Auf Grund des herrlichen Wetters und der kulinarischen Fülle gedieh der Samstagnachmittag dann auf dem Unteren Schrannenplatz zu einer lockeren Geburtstagsparty, zu der sich viele Anhänger, Wegbegleiter und Bekannte des Jazzclubs eingefunden hatten. Die offene Session wurde zunächst von den bekannten „Hausmusikem“ eröffnet, ehe sich auch ein paar andere Musiker – darunter die begabten Söhne Wolfgang Fausers – auf die Bühne wagten und einen wichtigen Teil zur guten Stimmung beitrugen.
Zeltinger avanciert zum Highlight
Zum musikalischen Highlight avancierte abends Jupp Zeltingers Band – was er und Kurt Harry Scheffknecht (Saxophon), Helmut Gassner (Schlagzeug), Kurt Nachbaur (Gitarre) und Heiner Merk an filigranem und homogenem Jazz ablieferten, verdient den Namen Spitzenklasse: So unaufgeregt wurde selten aufregender Jazz zelebriert – und das Publikum ließ sich bis zum Schluss vom fantasievollen Umgang mit großartigen Jazznummern in Bann ziehen.
Schließlich profitierten sonntags auch noch die „Mississippi Steamboat Chicken“ im Köchliner Biergarten vom Schwung der Geburtstagsfeier und dem schönen Wetter zur Mittagszeit: Nahezu alle Bänke wurden von den Gästen in Beschlag genommen, die sich gerne vom unbeschwerten Dixieklang in gute Laune versetzen ließen und dabei zeigten, dass hin und wieder auch dieser musikalische Ableger des Jazz seine Berechtigung hat. Fazit: Lindau kann stolz auf seine 50-jährige Jazz-Geschichte sein – und dankbar gegenüber jenen, die unbeirrt und verantwortungsvoll an ihrer Fortschreibung arbeiten. Wie lebendig und aufregend diese Geschichte bisher war, zeigt die stimmig und anregend gemachte Festschrift, die eigens zu diesem Anlass erstellt wurde.