Dieter Engelhardt (1998) – Theatermeister in Lindau

Seit 25 Jahren sorgt Theatermeister Dieter Engelhard im Lindauer Stadttheater für den rechten Rahmen, ist dafir verantwortlich, daß alles paßt.

Den Hinweis, daß Helmut Kohl im gleichen Jahr CDU-Vorsitzender wurde, hört er nicht so gern. Daß es überdies das gleiche Jahr war, in dem DDR-Staatsratsvorsitzender Walter Ulbricht starb, hat er mittlerweile verges-sen. In jenem Jahr 1973 also war es, als Dieter Engelhardt seinen Dienst als Theatermeister Stadttheater Lindau antrat. LZ-Mitarbeiter Winfried J. Hamann hat sich mit dem Mann unterhalten, über den ein Dirigent während einer Opernprobe ein-malgesagt hat: „Den müßt ihr in Gold eint nen!“

Herr Engelhardt, welches waren Ihre tionen, bevor Sie vor 25 Jahren nach Lindau kamen, wo Sie – nach einer Frau und zwei Männern – jetzt mit Dr. Angela Heilmann als Kulturamtsleiterin zusammenarbeiten?

Bevor ich für zehn Jahre an die Staatsoper nach München kam, war ich beim „Theater der Jugend“ und den „Kammerspielen“ beschäftigt. Ein Jahr lang arbeitete ich auch bei den Festpielen in Bayreuth.

Was hat Sie bewogen, nach diesen „ersten Adressen“ ausgerechnet an das vergleichsweise kleine Theater nach Lindau zu wechseln?

An der Staatsoper waren für eine Abendaufführung allein für die Beleuchtung fünf Meister, fünfunddrerißig Mann und zwanzig Abendaushilfen notwendig; jegliche Beziehung zu den Stücken ging dabei verloren. Für jemanden, der sich gern um den gesamten Ablauf kümmert, war das keine Perspektive. Natürlich war für Lindau auch ausschlaggebend, daß durch die Vorgaben des Spielplanes und des Tagungsgeschäftes zwar ein intensives Winterhalbjahr ansteht, im Sommer aber immer wieder gute Möglichkeiten für den Überstundenabbau vorhanden sind, die meinen Hobbies entgegenkommen.

Was tut eigentlich ein Theatermeister am Tag einer Aufführung?

Zunächst geht es um rein organisatorische Dinge: Personal, Feuerwehr und Hilfskräfte besorgen, Klimaanlage oder Heizung einschalten, erste Vorbereiten für die vorliegende Bühnenanweisung treffen. Gegen 14 Uhr trifft meistens die Dekoration ein; nun wird ausgeladen, aufgebaut, die Beleuchtung eingerichtet und es werden die Umbauten organisiert. Nach dem Ende der Vorstellung muß alles wieder verpackt und eingeräumt wer-den, da die Lastwagen am nächsten Tag meist an einer anderen Tourneebühne sein müssen.

Gab es dabei auch schon mal Probleme?

Eigentlich nie. Allerdings fällt mir eine Vorstellung mit Elke Sommer ein. Der Deko-Wagen war bei der Anfahrt im Schnee stecken geblieben. Nachdem sie das Publikum erst einmal mit Liedern auf der Gitarre unterhalten hatte, entschlossen wir uns nach etwa einer halben Stunde, ohne Bühnenbild zu arbeiten. Wir nahmen Utensilien aus dem Theater, den Rest bat Frau Sommer sich jeweils vorzustellen: die Aufführung wurde ein toller Erfolg. Ansonsten ist es während meiner 25jährigen Tätigkeit noch nie vorgekommen, daß eine Veranstaltung abgesagt werden mußte.

Man sieht und merkt, daß Ihnen Ihre Arbeit Spaß macht. Was lieben Sie daran am meisten?

Zunächst einmal die große Abwechslung. Jedes Stück, jede Auffuhrung unterscheidet sich in ihren Anforderungen von der anderen, immer arbeitet man mit verschiedenen, oft sehr interessanten Theaterleuten zusammen. Außerdem bietet das Gebäude und seine Technik selbst genügend Gelegenheiten, bei denen eine fachkundige Hand gefragt ist. Viel Spaß macht mir auch die Zusammenarbeit mit den örtlichen Theatergrup-pen: Hier sind unsere Erfahrung und unser Rat natürlich besonders gefragt. Gerne erinnere ich mich dabei an manche Aufführungen der Gym-nasium-Kurse „Dramatisches Gestalten“ unter Johannes Finkhous; oder an „Des Kaisers neue Kleider“ durch die Musikschule, wo ich insbesondere als Koordinator nötig war.

Sie gehen in etwa zwei Jahren in Ruhestand. Haben Sie sich für diese Zeit schon etwas vorgenommen?

Zusammen mit meiner Frau werde ich nach Ungarn gehen, wo wir in der Nähe des Plattensees ein hübsches Häuschen hergerichtet haben. Als passionierter Wohnmobilfahrer hoffe ich von dort aus noch viele Länder kennenzulernen. Der Bezug zum Theatre wird aber bestimmt nicht ganz aus unserem Leben verschwinden.