LINDAU – Nun hat es also doch noch geklappt: Nachdem der Maitermin wegen eines erkrankten Sängers ausgefallen war, konnte die Vokalgruppe „VoiceNet“ ihre Jubelpackung“ – so der Name des Programms – doch noch im Zeughaus präsentieren: ein launiger Abend, der Zuhörern und Akteuren gleichermaßen Spaß bereitete.
Zehn Jahre „auf Brettern, die kein Geld bedeuten“, so dachte sich die Gruppe, sind ein würdiger Anlass für ein eigenes Programm. Das ist zwar schon wieder zwei Jahre her, macht aber nichts, weil immer noch genügend Zuhörer und Veranstalter neugierig genug auf „Die Jubelpackung“ sind, um damit alle ein bis zwei Monate einen Auftritt zu bestreiten. Für Musikamateure, die Beruf und Familie haben, ist das ohnehin eine ganze Menge. Dies umso mehr, als die aufwendige Bühnendekoration und die stilvollen Kostüme unübersehbar vom Anspruch zeugen, den man an solche Auftritte stellt.
Zwar musste man zunächst fast ein wenig befürchten, der musikalische Anteil könnte gegenüber den zahlreichen Kontaktversuchen zum Publikum und dem Bemühen, elegante Brücken zwischen Motto und Liedauswahl herzustellen, leiden – so angebracht und historisch sinnvoll die Idee natürlich ist, dies alles zu einer Revue zu verarbeiten.
Doch spätestens, als diesem leicht „verzwungenen“ Auftakt die entsprechende Lockerheit auf der Bühne folgte und erste Proben des erwarteten A-capella-Gesanges zu hören waren, stieg die Stimmung zusehends. Sechs Frauen und fünf Männer, dazu ein beachtlich aufspielender Pianist, öffneten ihr musikalisches Schatzkästlein, das neben den Klassikern der Comedian Harmonists fast aus jeder Musikgattung populäre Stücke bereithielt: von „I Get Around“ bis „Sentimental Journey“ reichte die Bandbreite, von „Chattanooga choo choo“ bis zur eindrucksvollen „Bohemian Rhapsody,“ selbst „Something“ machte neben dem „Kleinen Gigolo“ und dem „Son Of A Preacher Man“ eine gute Figur. Dass dies ohne jegliches Notenmaterial gesungen wurde, lässt erahnen, wie intensiv die Probenarbeiten und wie beachtlich die Musikalität der sympathischen Sängerinnen und Sänger sein müssen. Das alles wurde durchmischt von Sketchen und Spielszenen, wobei der Pianist sein Drängen auf Zeit zu einem köstlichen Running Gag machte und für eine drollige Parallelshow sorgte.
Sänger pöbeln sich heftig an
Zum umjubelten Highlight wurde dann ausgerechnet ein Stück, das ganz ohne Text, dafür mit umso gehaltvolleren Tönen auskam: Scott Joplins „Entertainer“ mutierte zu einer Nummer, bei der sich die Sänger heftig und choreographisch hinreißend anpöbelten und so eine ganz eigene Form von musikalischem Diskurs produzierten. Keine Frage: Mit dem Auftritt von „VoiceNet“ hat der musikalische Teil des diesjährigen Zeughausprogramms einen glanzvollen Abschlussgefunden.