Diese Komödie verzaubert vier Frauen und das Publikum
Schon dafür muss man dem „a.gon Theater München“ dankbar sein: Mit dem Stück „Verzauberter April“ hat es gezeigt, dass neuere Komödien weder trivial noch albern sein müssen – und darüber hinaus für besten Besuch im Theatersorgen können.
Das Potential dieser Erzählung von Elizabeth von Armin, die zuletzt in den USA wohnte, haben die Amerikaner schon früh erkannt: Bereits drei Jahre nach ihrer Veröffentlichung haben sie 1925 ein erfolgreiches Musical daraus gemacht, später gab es noch zwei Verfilmungen, und im Jahr 2003 kam es in der Bearbeitung von Matthew Barber als Theaterstück an den Broadway. Das „a.gon Theater München“ war jetzt schnell genug, um am 6. Januar dieses Jahres – also nur fünf Tage vor seinem Auftritt in Lindau – mit der deutschen Erstaufführung seine verheißungsvolle Tournee beginnen zu können.
Wahrscheinlich gibt es Stückeschreiber genug, die eine solch vordergründig erscheinende Handlung an die Wand fahren würden, so dass nichts weiter als ein paar plumpe Gags davon übrig bleiben: Vier englische Frauen, wie sie unterschiedlicher kaum sein können, stehlen sich für ein paar Wochen davon und tauschen den tristen Alltagstrott samt den Männern, die hauptsächlich dafür verantwortlich sind, gegen einen „verzauberten April“ an der italienischen Küste ein. Dieser Aufenthalt in einem zauberhaften Castillo vollbringt das Wunder, dass am Ende alle Beteiligten mit neuer Zuversicht, geläuterten Männern oder einer anderen verheißungsvollen Beziehung zurückkehren werden.
Saskia Fischer, die temperamentvolle und hochtalentierte Enkelin von Johannes Heesters, setzt als aufmüpfige Hausfrau und Rechtsanwaltsgattin Lotty das ganze Vorhaben in Bewegung: In der „Times“ liest sie von dem Urlaubsangebot in Italien, worauf sie – schwer genug in dieser Zeit nach dem Ersten Weltkrieg – drei weitere Frauen mobilisiert, um sich die Kosten zu teilen. Es melden sich: Lady Caroline, eine schöne, junge Adelige, die der Krieg zur melancholischen und arroganten Witwe gemacht hat und als solche von Katrin Hahner überzeugend dargestellt wird. Dann Mrs. Grave, deutlich älter als die anderen, streng und stockkonservativ; man sieht es Christiane Hammacher geradezu an, wie viel Spaß es ihr macht, so konsequent am Heute vorbei zu leben. Als Vierte im Bunde lässt sich Rose Arnott von Lotty regelrecht überfahren. Denn die Vorstellung, ihr bigottes und lustfreies Leben an der Seite eines Schriftstellers, der sich ziemlich überschätzt, gegen das wahre Leben einzutauschen, ist ihr zunächst vollkommen unvorstellbar. Entsprechend wird sie – und Verena Wengler setzt das überaus lebendig um – dort am meisten aufblühen.
Den feinen Humor erhalten
Es spricht für die Qualität der Schauspieler, dass es ihnen gelingt, den feinen und subtilen Humor dieses Stückes hochzuhalten. An diese Vorgabe halten sich auch Michel Guillaume als Anwalt und Titus Horst als Schriftsteller, die ihr Machogehabe zwar lustvoll ausspielen, ohne deshalb aber gleich jede Sympathie beim Publikum zu verlieren. Marcus Morlinghaus spielt den Künstler und Eigentümer des Schlosses; als solcher gerät er zwischen alle Fronten, was ihn am Ende allerdings fast eine Spur zu nachdenklich macht und ihm spürbar den souveränen Schwung des Anfanges nimmt.
Der lange und herzliche Schlussbeifall galt gleichwohl einer hinreißenden Ensembleleistung und der Inszenierung von Stefan Zimmermann, die jeder Versuchung widersteht, dicker aufzutragen als es einer ernst zu nehmenden Komödie gut tut.