Die Zuhörer sind hellauf begeistert

LINDAU – Auch in diesem Jahr haben Achilles Stertsos und Kay Evers wieder ein Klassik-Open-Air-Konzert auf die Beine gestellt, das in seiner Art einmalig für Lindau ist. Der Paradiesplatz war bestens und mit Geschmack für dieses Konzert gerüstet, das Personal flink und motiviert – allein die festspielwürdigen Eintrittspreise verhinderten wohl den verdienten Andrang.

Pünktlich um 19 Uhr stimmte das Ensemble um Lazaros Stertsos auf die lange musikalische Nacht am Paradiesplatz ein. Mit wehmütigen und ausdrucksstarken Liedern war es vor allem die international tätige Katerina Siapanta, die das hohe Niveau dieser Gruppe prägte. Dazwischen war die Opernsängerin Christiane Ortwein mit Evergreens – etwa „O sole mio“ oder „Besame mucho“ – zu hören, ohne allerdings mit diesem Repertoire die hohe Wirkung wie ihre griechische Sängerkollegin zu erreichen. Zwei Stunden später wurde die Einstiegsrunde mit „Zorbas Dance“, der griechischen „Nationalhymne“, stilvoll und mit feinem musikalischen Gespür beendet, wozu die exzellente Tontechnik wesentlich beitrug.

Doch nun warteten die Zuhörer auf die, welche der „Lindauer Insel Symphonie“ eigentlich ihren Namen gegeben haben: Ein gutes Dutzend Musikerinnen und Musiker der Wiener Symphoniker, die sich nun als „Wiener Strauß Company“ dem Publikum präsentierten. Zwischen ihren Bregenzer Festspielauftritten haben sie und die Dirigentin Jacqueline Roscheck-Morard ein leichtes und launiges Programm zusammengestellt und in Lindau voller Spiellaune vorgetragen. Der Abend war vor allem den Operetten-Komponisten Strauß, Lehar und Offenbach gewidmet. Großen Anklang fand der Abstecher zu Gershwins „Summertime“ oder später der Gesang der „Olympia“, wo sich Sopranistin Christiane Ortwein offenbar eher zuhause fühlte als im „leichten“ Fach.

„Maria“ und „America“

Wahre Beifallsstürme erzielten zwei Stücke aus Bernsteins „West Side Story“. Lauschten die Zuhörer bei „Maria“ gebannt auf die makellos intonierte Solovioline der Dirigentin, so imponierten bei „Amerika“ die rhythmische Präzision und der instrumentale Witz, der die meisten Arrangements dieses Abends auszeichnete.

Diesen in guter Wiener Tradition zu beschließen, gebührte dem Namensgeber des Ensembles, Johann Strauß: Noch einmal klatschte das Publikum beim „Radetzky-Marsch“ begeistert mit, noch einmal durfte es „An der schönen blauen Donau“ schwelgen. Als sich die Uhrzeiger gegen Mitternacht neigten, war Zeit für Bocellis „It’s Time To Say Good bye“, das Christiane Ortwein gleich zwei Mal hintereinander singen musste.