LINDAU – Einmal mehr hat sich Lindau als Stadt präsentiert, in der die Begegnung zwischen Kultur, Künstlern und Bevölkerung besonders gut funktioniert. Ein motiviertes und beherzt agierendes Theaterpersonal, die bewährte Infrastruktur und ein begeisterungsfähiges Publikum haben auch die Verantwortlichen der IBK und des Landes Bayern beeindruckt: „Unser Zuschuss wurde bestens investiert!“
Manch einer hat bedauert – und vielleicht auch jetzt erst mitbekommen -, dass es zum Ritual dieser begrüßenswerten Institution mit dem umständlichen Namen gehört, den Austragungsort jährlich zu wechseln. Diese „Künstlerbegegnung der Internationalen Bodenseekonferenz“ birgt schließlich eine Menge Potenzial, um auch zurückhaltenderen Mitbewohnern den Weg ins Theater oder andere Kulturstätten zu öffnen, wo sie dann oft genug und erstaunt feststellen, dass zwischen TV und Bühne meist eine ganze Welt liegt.
Vorerst also bleibt es bei den vier Tagen des zurückliegenden Wochenendes und die Künstler der fünfzehn verschiedenen Darbietungen dürfen sich rühmen, manch Exquisites – etwa die „Sanddorn-Balance“ des Tanztheaters Rigolo, Olli Hauenstein oder „Volksdampf“ -, viel Hervorragendes und gerademal einen Flop (Theater Donogood) abgeliefert zu haben. Die meisten dieser Künstler produzierten zudem genügend Gesprächsstoff, um die Kommunikation unter den Zuschauern, Veranstaltern und ihnen selbst immer im Fluss zu halten. Und das gehört schließlich zum erklärten, nicht überall so gut erreichten Ziel dieser Künstlerbegegnung.
Für das „Lindauer Marionettentheater“ war es dank brechend voller Vorführungen eine gute Gelegenheit, innerhalb dieser Künstlerbegegnung auch auf seine Qualität aufmerksam zu machen: als Kultur-Juwel ist es zwar hochgeschätzt, aber sonst immer noch nicht tief genug im öffentlichen Bewusstsein verankert. So entsprang die Verleihung der Publikumspreise nicht nur einer üblichen Gepflogenheit, sondern sie reflektierte angesichts der Menge abgegebener Stimmzettel auch die rege Anteilnahme und die hohe Akzeptanz seitens der Lindauer Bevölkerung.
Auch Oberbürgermeisterin Petra Seidl ließ sich vom Überschwang und der begeisterten Atmosphäre anstecken und spendierte spontan nochmals den gleichen Betrag für die beiden nachfolgenden Platzierungen. Die Ankündigung von Kulturamtsleiterin Angela Heilmann, sich darüber hinaus für ein Engagement des einen oder anderen Künstlers stark zu machen, fand dann den ungeteilten Beifall aller Anwesenden.
Für Verblüffung und Anerkennung sorgte die bereits bei der Preisverleihung vorgeführte Videoaufnahme: Joachim Schmid hatte die erst kurz zuvor beendeten Auftritte zu einer 40-minütigen Zusammenfassung fertiggestellt und damit noch einmal eine eindrucksvolle Probe von der allseits gelobten Qualität des „technischen Personals“ im Lindauer Stadttheater abgeliefert. Immer wieder wurde der Wunsch geäußert, eine Veranstaltung dieser Art doch regelmäßig durchzuführen. Doch angesichts von rund 200 000 Mark, die für diese vier Tage umgesetzt wurden, dürfte zumindest ein freier Eintritt, wie er jetzt gewährt wurde, kaum realisierbar werden.
Wie hat doch die Oberbürgermeisterin reagiert, als sie mangels eines vorhandenen Scheckes um Verständnis dafür bat, ihren persönlichen Beitrag doch überweisen zu dürfen? „Meine Taschen sind leer.“ Ein Satz, der bei einem Ausbleiben von Zuschüssen vermutlich als erstes fallen würde.