LINDAU – Fast konnte man meinen, das Zeughaus sei in einen Dornröschenschlaf versunken. Es wurde aber von den „Vielsaitigen“ aus Innsbruck wachgeküsst.
Die Freude über den durchaus zufriedenstellenden Besuch war echt, denn: „Niemand kennt uns hier.“ Diese Feststellung wird sich zumindest für das aufmerksame Publikum geändert haben, denn was da musikalisch serviert und abwechslungsreich vorgetragen wurde, war gekonnt und mitunter von beachtlicher Qualität. Den ersten Teil hatte das Ensemble leicht gekürzt; nur kurz verweilte es an argentinischen Quellen, um als Quartett umso konzentrierter bei einer rhythmisch aufbegehrenden Toccata von Leo Brower zu verweilen. Ausgiebigen Halt erforderte auch „Contrastes“ von Jaime M. Zenamon, ein verhaltenes, dabei flüssig dahinfließendes Stück.
Unverfänglich, aber mit hohem musikalischem Gehalt ging es dann an den zweiten Teil. Ein Allegro-Satz von Telemann mit klar verteilten Aufgaben innerhalb der vier Gitarren eröffnete diese zweite Runde, die schon bald von klanglicher Raffinesse und überraschenden Arrangements leben sollte. Vom Klavier waren Debussys „Arabesque“ und „Golliwog’s cakewalk“ übertragen, und beiden stand die „vielsaitige“ Übertragung gut zu Gesicht: fein strukturiert und durchhörbar die Arabesque auf der einen Seite, leiser, fast intimer Humor im tänzerischen so genannten „Cakewalk“, einer Tanzform, der auch spontanen Beifall auslöste. Angesichts der Kürze des gesamten Konzertes hätte man sich allerdings hin und wieder mehr als nur einen Satz der entsprechenden Werke gewünscht.
Mit verstärkter Bassgitarre widmete sich nun eine Triobesetzung Ralph Towners „Green and Golden“ : eine verhaltene, melodische Nummer aus dem Jazzlager, der man ihre Herkunft allerdings kaum anmerkte. Den offiziellen Abschluss bildete „Gameio“, ein Stück des 41-jährigen Tilman Hoppstock, der hier mehrere Spiel- und Klopftechniken für. ein effektvolles Finale zusammen gebracht hat. Das Thema zum „Dritten Mann“ aber war es schließlich, das als Gitarrenquintett zum sympathischen Konkurrenten der bekannten Zitherfassung wurde und damit einen stimmungsvollen Abschluss bildete.