Deutliche Kluft zwischen einzelnen Akteuren
Mit einem spaßigen Stück, das neben Molières großen Komödien allerdings etwas harmlos wirkt, gastiert die „Isny Oper“ erstmals im Zeughaus: „Die Streiche des Scapin“ entpuppten sich dabei als dreiaktige Posse, die ohne Umschweife auf ihren Hauptdarsteller Hans-Christian Hauser zugeschnitten war, der auch Initiator dieses Theaterprojektes ist.
Hauser wußte denn auch in seiner pantomimischen Lust und seinen Bewegungsabläufen zu gefallen. Seine Sprache war dabei von einem merkwürdigen Ernst geprägt, der man zuweilen etwas mehr Temperament und Leidenschaft gewünscht hätte.
Als einziger Theater-Profi in der Gruppe stach Marshall Raynor hervor, der den reichen Kaufmann Pantalone nach Herzenslust ausgestaltete und das Publikum augenblicklich zu gewinnen wußte – und damit die Kluft zum Spielvermögen der weit jüngeren, durchaus engagierten Mitspieler noch deutlicher offenbarte.
Der Rezensent kann sich an kein Stück erinnern, bei dem die spielerischen Unterschiede so augenfällig waren wie bei dieser Aufführung:
Gerade so, als würde „Kalle“ Riedle mit einem talentierten Bezirkstrainer und einer Schülermannschaft ein Punktspiel in der Regionalliga bestreiten wollen.
Auch wenn unverkennbar war, daß an manchem Auftritt, mancher Geste gearbeitet wurde, so stellten sich der Charme und der Reiz, der gerade vielen Schüler- und Laienaufführungen anhaftet und ihren Stücken oft einen ganz neuen Zugang vermittelt, nur selten ein: Zu einseitig war das Geschehen auf Hans-Christian Hausers Darstellung gerichtet, zu groß gar die Diskrepanz, die sich zu Marshall Raynors Spiel auftat.
Gewiß ist es erfreulich, wenn Theaterbegeisterte aus der Umgebung zeigen, was anderswo auf diesem Gebiet erarbeitet wird. Es war indes eine interessante Erkenntnis dieses Abends, dass dabei die rege „Theaterszene“ Lindaus ihre Messlatte mittlerweile recht hoch gehängt hat. Rund drei Dutzend Zuschauer zollten den Akteuren Beifall, der allen Einwänden zum Trotz auch die Anerkennung für ihre Einstudierung zum Ausdruck brachte.