Die Räuber (Schiller)

Höflicher Beifall für die „Räuber“ im Stadttheater

Da waren „Räuber“ am Werk, die leider bald die Hoffnung zunichte machten, Schillers Sturm- und Drangstück ließe sich so einfach mit gegenwärtigem Gedankengut verknüpfen; Räuber auch an der stillen Übereinkunft, der Wert von Klassikern würde sich gleichsam von alleine vermitteln: in Anbetracht der zahlreichen Schulklassen eine durchaus wünschenswerte Vorstellung.

„Patrioten-Sch…“ – so der Kommentar einer enttäuschten Schülerin, was ja immerhin von einer bemerkenswerten Resistenz gegenüber aktuellem Gedankengut zeugt. Es ist keineswegs so, daß man sich einer Schauspieltruppe geringerer Güte gegenübersah. Der Einsatz ihrer schauspielerischen Verfügbarkeiten jedoch sorgte angesichts einer alles in allem historisierend wirkenden Inszenierung ein ums andere Mal für Lachreaktionen, und die „Spannung des historischen Krimis“ wollte sich trotz der Ankündigung im Programmheft allenfalls erst gegen Schluss einstellen.

Gerade Till Kretzschmar, der den Franz Moor von Herzen unsympathisch, aber auch mit einem Hang zum Wahnsinn darstellte, vollführte einen langen Reigen von Gesten, die in ihrer oft künstlichen, überzogenen Wirkung wohl kaum geeignet sind, junge Erstbesucher zu Abonnenten zu machen.

Horst Günter Marx als Räuberhauptmann Karl band seine intensiven Gebärden und vehementen Reaktionen in ein insgesamt stimmigeres Gesamtspiel ein; sein Dilemma, für gutgemeinte Absichten auf verbrecherische Methoden angewiesen zu sein, wirkte glaubwürdig. Auch das furchtbare Leid Amalias fand im Spiel von Ulrike Schwarz engagierten Ausdruck, wenngleich sie – Mangel der Regie? – damit hin und wieder auf etwas verlorenem Posten wirkte.

Dieser Eindruck verstärkte sich in einer ausgezeichneten Darstellung von Peter-Uwe Arndt als Vater Moor (später auch als Pater): Seine Schwächeanfälle und Herzattacken waren zwar gut gespielt, erschienen jedoch eher als Proben seines Könnens denn als Teil eines sich steigernden Dramas.

So bleibt der Eindruck eines nur unbefriedigenden Versuchs, mit den „Räubern“ augenfällige Parallelen zu Problemen unserer Zeit herstellen zu wollen.

Der Beifall im Lindauer Theater war höflich und damit wohl angemessen.