Die Physiker (Friedrich Dürrenmatt)

„Die Physiker“ bleiben glaubhaft

Im Vorwort des Programmheftes begründet das Theater Greve, weshalb es Aufführungen des Stückes von Dürrenmatt „Die Physiker“ für so wichtig hält. Das tun wohl auch viele Schüler, die der Pflichtlektüre in der Schule jetzt auch einen Besuch des Stadttheaters folgen ließen.

Der intelligente Aufbau dieses Stückes mit den drei Morden und den überraschenden, sich stets steigernden Wendungen zum Finale hin hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt: Angesichts der Vorgänge in Nordkorea, wo das Spiel mit der Bombe immer mehr interessierte Mitspieler auf den Plan ruft, hat die Frage nach der Verantwortung für solche Vernichtungstechniken neue Nahrung erhalten. Dass sie nicht an die Wissenschaftler gerichtet werden kann, ist bekannt, denn „was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden“.

Da hilft es nichts, wenn sich einer von denen – wie in „Die Physiker“ – im Irrenhaus versteckt, um sein Wissen vor der Welt und ihren bösen Mächten zu verbergen. Stets ist es der böse Zufall, der alles ans Licht bringt: In diesem Fall die bucklige Anstaltsleiterin, die längst die verhängnisvollen Formeln des Möbius kopiert und zum Zwecke der Weltherrschaft verscherbelt hat. Insofern ist Dürrenmatt sicher: „Je planmäßiger die Menschen vorgehen, desto wirksamer vermag sie der Zufall zu treffen.“

Ulrich von Bock spielt den genialen Physiker Möbius mit großer Zurückhaltung, die seine Figur fast ein wenig blass wirken lässt. Mit dieser Haltung bleibt sich der Prototyp des schüchternen, uneigennützigen Wissenschaftlers bis zum Schluss treu. Lediglich beim unvermeidlichen Mord an seiner Krankenschwester wird sichtbar, das ihm diese Tat gar nicht recht ist.

Ihm gegenüber wirkt Johanna Liebeneiner als Anstaltsleiterin geradezu temperamentvoll. Mit vornehmem Eifer gibt sie die Besorgte und Mitfühlende und lässt erst am Ende ihrer wahren Natur freien Lauf: Zum falschen Spiel passte schon immer eine falsche Miene.

Köstlich war „Einstein“, gespielt von Uwe Michael Wiebking, wohingegen man bei Hanno Wingler nicht so sicher war, ob er wirklich so viel Spaß an der Figur des „Newton“ hatte.

Humorvolle Einwürfe

Die traditionelle Inszenierung mit hoher Textlastigkeit vermochte trotzdem Jung und Alt zu fesseln. Dazu trugen nicht zuletzt die zahlreichen Wortspiele, die herrlichen Witze und humorvollen Einwürfe bei. Die eingangs versprochene Begründung für die Aufführung dieses Stück wurde glaubhaft gemacht: „Die große Eskalation fand angesichts der Kenntnis der Wirkung der Atom- und Wasserstoffbombe bisher nicht statt. Damit das nie stattfinden wird, spielen wir ‚Die Physiker'“.