Die Musiker überzeugten

LINDAU – Einen reizvollen Gegensatz zum Fußball und dem wieder erstarkten Sommerwetter gab es am Samstagnachmittag im Münster: Dort begannen Chor, Bläser und Orgel erfolgreich, das Interesse wieder auf Dinge zu richten, die auch nach der WM Bestand haben werden.

Den Besucherandrang konnte man zwar nicht überzeugend nennen, umso mehr aber die Qualität der einzelnen Darbietungen. Mit Werken, die sich vornehmlich den Meistern des 16. und frühen 17. Jahrhunderts widmeten, hatte Kirchenmusiker Nikolaus Schwärzler ein erlesenes Programm zusammengestellt, das durch Abwechslung und Tiefe beeindruckte.

Der Münsterchor imponierte insbesondere in den Vokalwerken von Monteverdi, Hassler und Gabrieli durch vorzügliche Stimmbalance, Verständlichkeit und scheinbar leichte Stimmführung; lediglich im „Laudate Dominus“ von Gallus Jacobus, wo Instrumentalisten und Chor zum einzigen Mal gemeinsam musizierten, war angesichts der hohen Sopranstimmen zu hören, wie anspruchsvoll die sängerische Herausforderung war. Umso mehr glänzte der Chor dann im „Jubilate Deo“ von Laszlo Haimos durch Frische, Klarheit und mühelose Übergänge zwischen den Frauen- und Männerstimmen. Dieses wirkungsvolle Stück des 1997 verstorbenen Ungarn war übrigens das einzige Werk aus unserer Zeit.

Einmal mehr erwies sich die Akustik der Münsterkirche als idealer Resonanzkörper für das Blechbläserensemble, das mit Kompositionen für drei Posaunen und Trompete im reichen Musikschatz der Renaissance fündig wurde und dabei sicheres Stilempfinden bewies. Dem gegenüber wirkten die Werke für Holzbläser beinahe intim, was den besonders schön gespielten Fagotts und Oboen zu verdanken ist. Eine weitere Klangfarbe brachte schließlich das Blockflötenensemble um Michael Klein ins Spiel – insbesondere bestach das pastoral anmutende Stück von Werlin Johannes.

Bei diesem Konzert war erstmals auch Holger Merk, der Nachwuchsorganist der Münstergemeinde, als Solist zu hören. Im „Vater unser im Himmelreich“ und dem „Präludium und Fuge g-Moll“ von Johann Sebastian Bach gab es einen unspektakulären, aber gelungen Einstand für den jungen Musiker – und am Ende eine Menge Applaus für alle Beteiligten.