LINDAU – Brachten am Sonntag in St. Stephan noch ausschließlich die Stimmen des Kammerchors das österliche Geschehen zum Ausdruck, so oblag es am Mittwoch in St. Ludwig einem Streichquartett, den „Sieben letzten Worten unseres Erlösers am Kreuze“ musikalische Gestalt zu verleihen. Auch diesmal hinterließen Werk und Darbietung einen tiefen Eindruck.
Es war ein spanischer Domherr, der sich von Joseph Haydn eine orchestrale Meditationsmusik für die Karfreitagsliturgie gewünscht hatte – eben jene „Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze.“ Zwei Jahre später – man schrieb das Jahr 1787 – hat er es eigenhändig für Streichquartett arrangiert, und zwischenzeitlich hört man häufiger von Aufführungen in dieser Besetzung als von solchen in der „Originalversion“. Auch Wilfried Bergmann hat sich für diese Fassung entschieden, die er mit drei jungen Musikerinnen in St. Ludwig gespielt hat. Er selbst hat den Part an der Bratsche übernommen.
Die vier Instrumentalisten haben dabei bewusst auf den unmittelbaren, vibrationslosen Klang von Barockinstrumenten gesetzt, was der gewollten Kontrastarmut dieses Streichquartettes aber durchaus zu Gute kam. Schon das Pathos in der Maestoso-Einleitung erfüllte den Kirchenraum und beschwor nicht nur die späteren Qualen, sondern betonte ebenso das verheißungsvolle Element des Kreuzigungstodes. Die folgenden „Sieben letzten Worte“ wurden zunächst in Latein, dann auch in Deutsch vorgetragen, so dass es den Zuhörern leicht fiel, Haydns großartigem Umgang mit diesen Motiven zu folgen.
Den Blick auf den Inhalt gelenkt
Die zahlreich vorhandenen Unterschiede bei ähnlichem musikalischen Charakter fanden natürlich ihren Niederschlag, indem das Quartett den herb anmutenden Wechsel von inniger Kantabilität und leidenschaftlichem Ausdruck (wie er etwa im „Ich durste“ entsteht), aber auch die zarten Elemente mit großer spielerischer Bandbreite auslotete – man denke nur an die Pizzicato-Passagen, die gerade im genannten Satz eine besonders versöhnliche Atmosphäre erzeugten. Auch vor dem drastischen „Erdbeben“-Schluss erklang das melodiöse Largo („Vater, in Deine Hände empfehle ich meinen Geist“) in dieser Interpretation fast wie ein Kirchenlied. Auf diese Weise gelang es den Musikern dieses Quartettes in zunehmendem Maße, den vielleicht einseitigen Blick auf das rein spielerische Geschehen immer stärker auf den Inhalt und den Geist dieser Stückes zu lenken, der ja auch Haydn letztlich zu seiner Komposition bewogen hat. Noch eine Weile lang verharrten die beeindruckten Zuhörer in tiefer Stille, ehe Bachs vierstimmiger Choralsatz „Ehre sei dir, Christe“ diesen würdevollen Beitrag zur Karwoche zum Abschluss brachte.