LINDAU-Ein gut besuchtes Stadttheater, ein erwartungsfrohes Publikum, zwei hochmotivierte Künstler und ein abwechslungsreiches, auf sechzig Minuten konzentriertes Programm: Der Entschluß des Kulturamtes, die Preisträger der diesjährigen „Künstlerbegegnung“ zu Soloauftritten einzuladen, trägt erkennbar seine Früchte.
Erst haben Clown Ben und Tamara Kaufmann ‚mal ins Parkett geschaut, wie denn die Reaktionen auf ihre Sprünge und Stürze auf den Ungarischen Tanz so ausfallen würden. Von zwei Konzertsitzen aus ließen sich die beiden taktgenau und notensynchron von Brahms‘ Musik anstecken, fielen dabei übereinander und aufeinander, daß einem angst und bange werden konnte, und schon bald durften sie feststellen, daß ihnen dabei ein wohlgesonnenes Publikum zuschaute, darunter viele Kinder.
Vor allem auf die Erwartungen der Jüngeren war dann auch der größere Teil des Programmes zugeschnitten, und die hatten insbesondere dann ihr Vergnügen, wenn die beiden Darsteller verletzungsfrei über die Bühne fielen. Dabei waren solche Bewegungen genau auf die Musik abgestimmt und fanden sich zu einer erstaunlichen Choreographie zusammen. Schön war dies auch bei den herrlichen Späßen mit den Seilen zu verfolgen, geradezu anmutig war das in der Liebesszene mit dem Röhnrad und den schrillen Darbietungen am Mikrofon anzuschauen;
Tamara Kaufmann vollführte eine wahre Tanzperformance, geschmeidig und akrobatisch zugleich, und sie war es auch, die der Veranstaltung zu großer und einnehmender Ästhetik verhalf. So werden viele ihren Auftritt zu den Klängen des Kölnkonzertes von Keith Jarrett als künstlerischen Höhepunkt empfunden haben: seine Musik, die Tamara Kaufmann mit, vor und hinter dem quergespannten weißen Tuch in atmende Bewegung verwandelte, gewann plötzlich eine neue Dimension, die geschickt zwischen erotischem Tanz, verhaltener Ekstase und verblüffender Optik zu wechseln wußte.
Doch war es erwartungsgemäß Thomas Beck, der mit seiner anrührenden Geschichte vom Clown und dem Luftballon für einen Abschluß sorgte, der Jung und Alt gleichermaßen berührte. Die meisten der lange klatschenden Zuschauer werden sich schon jetzt auf Teil 2 dieser Kleinkunstserie freuen, die im Januar mit dem Tanztheater Rigolo weitergeführt wird.