Die Falle (Robert Thomas)

Keine glückliche Hand bei der Inszenierung

Ein Kriminalstück gab’s schon länger nicht mehr im Stadttheater, und so darf die Anwesenheit von über 600 Besuchern als Zustimmung hierfür gewertet werden. Schade, daß dieser Umstand nicht als Zündfunke auf die Akteure gewirkt hat.

Zunächst hat es kräftig im sprachlichen Gebälk geächzt, und die vielen Versprecher ließen offen, ob das Ganze unkonzentriert, unausgeschlafen oder nervös tituliert werden soll. Der prickelnden Exposition eines Kriminalfalles, dem Legen falscher Fährten jedenfalls war das nur bedingt zuträglich.

Leidlich amüsiert harrte man also der Dinge, die folgen sollten, und irgendwann fand man das Stück der gepflegten Neugierde anheimgestellt.

Mit souveränem Auftritt trug hierzu Viktoria Brams bei, mit vordergründigem Spiel Andreas Schmidt. Klaus Ziller gab einen einnehmenden Landstreicher, und Justina Simon wird ob der wechselvoll-fragwürdigen Spielvorlage der Krankenschwester-Rolle jetzt noch schwindlig sein. Michael Hinz als heimlicher Witwer und Wolfgang Thon für den erkrankten Christian Schult als Kommissar verweigerten ihren Parts alles Rätselhafte und Geheimnisvolle, und so zeigten sich die zahlreichen Schwächen des Stückes wie Fettaugen auf einer Suppe: Manch fragwürdiger Übergang – unberührt von schauspielerischer Durchdringung – strahlte so in all seiner Künstlichkeit und gewährte einen unfreiwilligen Blick auf das Konstruierte der Handlung. Darunter fällt sicherlich auch der Schluß, der dem Zuschauer ziemlich viel Zutrauen in die Phantasie dieses Berg-Kommissars abverlangt: Wo sonst auf der Welt übt ein Ermittler gleich mit vier Berufskollegen bühnentaugliche Szenen ein, um den Verdächtigen unter gleichzeitiger Angabe des Tatortes zu überführen?

So folgten die Zuhörer dem Fortgang der Handlung mit freundlicher Geduld, doch die Ruhe im Saal war weit entfernt von atemloser Stille: Die glückliche Hand, welche „Die Falle“ zum spannenden Kriminalfall macht, hat in dieser Inszenierung gefehlt.

So mögen Krimi-Fans vielleicht der Auflösung des Falles geduldig entgegengeharrt haben; neue Liebhaber fürs Theater werden mit diesem Stück aber kaum hinzugekommen sein.