Der Reiz verpufft schnell
Mit Peter Shaffers „Komödie im Dunkeln“ hat sich der erste Teil der diesjährigen Theatersaison langsam dem Ende zugeneigt. Leider kamen mit diesem Stück eher die Liebhaber des Klamauk als diejenigen des englischen Humors auf ihre Kosten.
Die Idee selbst ist gar nicht schlecht: Für den Zuschauer ist die Bühne nur dann sichtbar, wenn die Handlung dort eigentlich im Dunkeln liegt – und umgekehrt. Entsprechend hat das Stück im Dunklen begonnen: Man hört das Pärchen Brinsley und Carol sprechen und erfährt, dass sich der Millionär Godunow angekündigt hat, um eine von Brinsleys Skulpturen zu kaufen. Plötzlich fällt der Strom aus, was in diesem Fall bedeutet: Ab jetzt ist die Bühne hell. Man kann also beobachten, wie das Stück mit Elementen aufgepumpt wird, die sich für eine Komödie eignen: Carols misstrauischer Vater kündigt sich an, Brinsleys ehemalige Geliebte und die geschwätzige Nachbarin. Zum Überfluss kehrt auch noch der schwule Nachbar vorzeitig zurück, dessen heimlich ausgeliehene Möbel schnell wieder zurückgebracht werden müssen.
Leider ist der Reiz, umher stolpernde und aneinander vorbeiredende Schauspieler zu beobachten, schnell verpufft. Man freut sich eine Weile lang, wenn Stühle umfallen, die Falschen sich umarmen oder ein versehentlicher Griff die Brust der Nachbarin umfasst. Doch die ursprüngliche und leider auch einzige Idee zu diesem Stück gibt einfach zu wenig her, um damit einen ganzen Abend zu bestreiten. Die anfängliche Situationskomik verwandelt sich zusehends in eine Suche nach immer neuen, vorhersehbaren Gags, bis schließlich nur noch die beleidigten Reaktionen des schwulen Harold Gorringe – verkörpert durch Thomas Stroux, der gleichzeitig Regie führt – für einen guten Unterhaltungswert sorgen. Ansonsten: spielerisches Brachland, netter Klamauk und eine Fülle lustiger Albernheiten. Der Autor des „Amadeus“ hat mit seiner „Komödie im Dunklen“ dieses Genre gewiss bereichert, in der Inszenierung des Tourneetheaters „Der grüne Wagen“ ist leider nur ein besserer Schwank daraus geworden. Der Beifall war kurz und freundlich, der Gewinn fürs Theater wohl sehr gering.