Der muss es sein (James Sherman)

Respektable Kunst trotz „leichter“ Kost geboten

Welch einfühlsame Regiearbeit an einem Sujet, das diesen Einsatz rechtfertigt: da werden fünf glänzend aufgelegte Schauspieler aufs oft rutschige Komödien-Parkett geschickt, und heraus kommen entkrampfte Einblicke in jüdische Hausrituale und der glaubwürdige Umgang mit bekannten Eltern-Kind-Konflikten.

Daß dies alles unter souveräner Vermeidung platter Kalauer auch noch zu einem echten Theaterspaß wurde, macht dieses Stück von James Sherman zu einem tröstlichen Beispiel innerhalb der zeitgenössischen Komödienlandschaft.

Dabei ist die Handlung selbst einfach und vorhersehbar: Tochter bestellt vorzeigbaren Mann von einer Agentur, um Konflikt mit Eltern wegen ihres wahren, umstrittenen Freundes zu vermeiden; Tochter und Eltern finden überaus großen Gefallen am „Ersatz“, Bruder deckt als Psychoanalytiker den wahren Sachverhalt auf, es kommt zur Aussprache, ehemaliger Freund verzichtet großherzig, und alle sind ob der wichtigen vorangegangen Aussprache, weshalb es überhaupt zu dieser Situation kommen konnte, glücklich, aber auch entschlossen, es nicht mehr soweit kommen zu lassen.

Die Idee, die Handlung in einer jüdischen Familie mit Tradition stattfinden zu lassen, um so den Druck auf die Tochter zu erhöhen und sich als Schwiegersohn gleichfalls einen Juden auszubedingen, macht die Story reizvoll und gibt dem Stück seine besondere Note.

Es passiert bei Tourneetheatern nicht eben häufig, daß alle Rollen gleich stark besetzt sind: die Versuchung, den Erfolg eines Stückes zunächst mit einem bekannten Namen zu gewährleisten, scheint oft recht groß zu sein. Doch auch wenn hier mit Namen wie Olivia Pascal, Julia Gschnitzer oder Pascal Breuer dieser Verlockung nachgegeben worden zu sein scheint, so präsentierte sich hier ein ausgesprochen homogenes Ensemble. Vor allem der größeren Spielanteile wegen seien deshalb nur Olivia Pascal als Tochter sowie Pascal Breuer als Familien-„Neueinstieg“ besonders erwähnt.

Wie diese beiden ihre im Grunde ja tragischen Rollen ernst nahmen und mit üppigen, dabei stets dosierten Facetten ihres Theaterkönnens bedachten, war eindrucksvoll und gleichermaßen beispielhaft für die Spielanlage der übrigen, im wahrsten Sinne des Wortes Mit-Wirkenden. Der gerade in Komödien und Lustspielen herrschende Drang zur Übertreibung, welcher ihre Schwächen oft noch mehr offenlegt, wurde hier vollständig vermieden, und das tat dem Stück gut.

Fazit: die Sorge, über den etwas unglücklichen Titel „Der muß es sein“, ein ins Theater verirrtes Produkt der Unterhaltungsindustrie vorgesetzt zu bekommen, erwies sich als unbegründet. Respekt daher der Regie und den hervorragenden Schauspielern, denen es gelungen ist, ihre seelischen Verwirrungen und Zwänge in Theaterkunst umzusetzen: wann schon läßt sich das bei „leichten“ Stücken sagen?