Auch das schöne Wetter konnte den guten Besuch im Maria-Martha-Stift kaum beeinträchtigen; dort nämlich spielte der englische Pianist John Strahern, der mit einem eigenwilligem Programm, blitzgescheiten Erklärungen dazu und einer kompetenten Interpretation von den äußeren Herrlichkeiten abzulenken wusste.
Im Dickicht kultureller Angebote, in dem man sich gerade in Zeiten wie diesen zurecht finden muss, fallen immer wieder auch diejenigen auf, die in den beiden Altenheimen auf der Insel stattfinden; diesmal wartete das Maria-Martha-Stift mit einem Interpreten auf, dessen Auftritt in solcher Umgebung auch als Verneigung vor dem Alter und den damit verbundenen Mobilitätsproblemen verstanden werden darf. Dort begnügte sich John Strathern, Dozent am Münchener Richard-Strauss-Konservatorium, nicht allein damit, auf seine Erfahrung im Umgang mit Mozart, Schubert oder Chopin zu setzen, deren Werke er sich mit einem hohen, aber auch kontrollierten Maß romantischer Klavierkunst näherte und sie mit Herz und Verstand umsetzte. Strahern durchsetzte sein Programm vielmehr auch mit Stücken wie Busonis „Giga“ und dem „Bolero e Variazione“, die sich auf Themen von Mozart beziehen oder dem viersätzigen Zyklus „Im Nebel“ von Janacek, zu denen er zunächst überaus kenntnisreiche Einführungen gab.
Ungeachtet der vielen Geräusche, die Auftritte in der Umgebung mit sich bringen können, an denen auch pflegebedürftige Menschen teilnehmen, agierte der Künstler konzentriert und ließ nie einen Zweifel an seiner Professionalität aufkommen. So erzielte er dank seiner Klasse, die auch am wohlüberlegten Pedaleinsatz zum Tragen kam, gerade auch in den weitgehend unbekannten „6 Préludes“ von Lennox Berkeley besonders hohe Aufmerksamkeit. Musikantisch, doch ohne Übertreibung fächerte er die kurzen Stücke auf und lenkte so den Blick auf den kostbaren Inhalt dieser Musik. Auch wenn er am Ende befand, dass Schubert eigentlich zu kurz gekommen sei und dies auch umgehend mit der Nachreichung eines Impromptus aus op. 90 korrigierte, durfte John Strahern sich schließlich mit dem Gefühl verabschieden, dass ein solcher Klavierabend einem schönen Sommerabend durchaus etwas entgegen zu setzen hat.