Das Millionenhaus zeigt sich wenig turbulent
Der zweite Theaterabend der noch jungen Saison hat eine Wiederbegegnung mit der bald 89-jährigen Maria Becker geboten. Mit ihrem Sohn Benedict Freitag war sie in dem Stück „Das Millionenhaus“ zu sehen. Der Hinweis allerdings, dass es in dieser Komödie „turbulent“ zuginge, erwies sich als glatte Übertreibung.
Die Achtung vor der erstaunlichen Bühnenleistung dieses Abends wie auch der Respekt vor der künstlerischen Lebensleistung Maria Beckers gebieten es, darauf zuallererst einzugehen. In dem knapp 80-minütigen Stück hat die Grande Dame des Theaters gezeigt, dass sie sich in puncto Sprache, Mimik und Bühnenpräsenz noch immer mit den meisten ihres Fachs messen kann. Und obwohl ihre Beweglichkeit eingeschränkt und die Möglichkeiten des Zusammenspiels mittlerweile begrenzt sind, so imponiert diese Schauspielerin noch immer durch die Unbedingtheit, mit der sie ihrer Rolle Ausdruck und Glaubwürdigkeit zu verleihen weiß.
Ihr Sohn Benedict Freitag, der in diesem Stück sowohl für die Regie als auch das Bühnenbild verantwortlich ist, berücksichtigt diese Vorgaben natürlich. Obendrein hat Freitag wohl auch seinen Spaß daran, die fünf männlichen Rollen selbst zu verkörpern.
Sie werden in unterschiedlichen Kostümen und Dialekten durchexerziert, was ihm zwar amüsierte Reaktionen im Zuschauerraum beschert, ihn aber spielerisch wohl kaum besonders fordern dürfte. Dies mag vor allem daran liegen, dass die Autorin Grazia Meier ihre Stücke am liebsten im etwas veralteten Stil der Commedia dell’Arte verfasst.
Die wurden einst von Wandertruppen gepflegt, deren Stärke es war, bestimmte Alltagsthemen mit Improvisationslust und einem Hang zu übertriebener Gestik und Mimik unters Volk zu bringen. Einen Namen konnten sich dann insbesondere jene machen, die durch Schlagfertigkeit und komödiantisches Talent bei den Aufführungen hervorstachen.
Plakatives Thema
Dafür bedurfte es eines plakativen Themas, das im Falle des „Millionenhauses“ durchaus vorhanden war: Ältere Dame mietet sich in fürstlicher Villa ein, gewährt armem Studenten Kost und Logis und lockt gleichzeitig über Inserate ein paar Millionäre an, die „ihre“ Villa kaufen sollen. Das sind durchaus probate Mittel gegen die Einsamkeit im Alter, und es verschafft auf der Bühne einige lustige Auftritte für die durchweg schrulligen Kaufinteressenten.
Nur mäßig aufregend
Dieser Plot freilich, und so heißt es ja sogar im Stück selbst, ist „nur mäßig aufregend“, und er kann auch nicht durch jemanden wie Maria Becker zum denkwürdigen Theatererlebnis verwandelt werden. Daher darf vermutet werden, dass so mancher Besucher des Theaterabends mit zwiespältigen Eindrücken nach Hause gegangen ist.
Darin lag vielleicht die Crux des Abends: wenn solche Eindrücke manchmal schon unvermeidbar sind, hätte man sie natürlich lieber nach einem Stück, das nicht gerade mit Maria Becker besetzt ist.