Bruno Jonas – Das Machtzentrum sitzt im Darm

Ein Andrang, wie ihn das Stadttheater selten erlebt: wohl noch hundert Karten hätten zusätzlich verkauft werden können, um die Nachfrage nach dem Auftritt von Bruno Jonas zu befriedigen. Wer es geschafft hatte, kam voll auf seine Kosten.

Nun also ist sie geklärt, jene Frage, weshalb in Bayern so emsig abgeschoben wird: da seine Bewohner sich wahres Glück nur zuhause vorstellen können, soll gleiches auch fremden Ankömmlingen gegönnt sein: „Schaut’s, dass hoim kimmts!“ schallt’s denen entgegen, und somit ist auch der Kernsatz des bayerischen Humanismus erklärt.

Zuhörern aus nichtbayerischen Gefilden, von denen es am Sonntag eine ganze Menge gab, dürfte zwar die eine oder andere Sprachbarriere im Weg gestanden haben, doch das meiste wird sich auch ihnen erschlossen haben.

Bruno Jonas hat sich immer wieder den zahlreichen Tagungsteilnehmern zugewandt, denen er großzügig, genußvoll und ein wenig respektlos Einblick in die Tiefen seiner multiplen Persönlichkeit gewährte. Sein zwingender Nachweis, dass sich letztlich jede Persönlichkeit aus dem Verhalten ihrer Darmtätigkeit entwickele, gipfelte denn auch im Vorschlag für eines der kommenden Tagungsthemen: „Das Machtzentrum sitzt im Darm“. Sein soziales Herz und die Sorge um das Wohl der versammelten Therapeutenkom-petenz zeigte Bruno Jonas auch insofern, als er gegenüber allen Pädagogen für die Ausbildung einer „g’sunden Störung“ ihrer Anbefohlenen plädierte.

Das und eine Unzahl philosophischer, kultureller und religiöser Einsichten leitet Bruno Jonas im Höllentempo von einem unfreiwillig unterbrochenen Ägyptenurlaub ab, der ihn an die Pforte der Deutschen Botschaft fährt. Vor deren verschlossener Pforte gedeihen nun die herrlichsten Stilblüten und kabarettistischen Momente, die mühelos von griechischer Geschichte zu indischen Kühen und von dort zum Spendenskandal führen. Dabei werden noch eben die unübersehbaren Parallelen zwischen dem philosophischen Weltbild Indiens und Bayerns gestreift, und die unversehens eingebaute Weinprobe macht bewußt, dass die bayerische Variante solcher Probiererei erheblich deftiger ausfällt als anderswo.

Hintergründig, gelegentlich ein bisschen absurd, ging’s bis kurz nach Elf so weiter. Welch‘ amüsanter Spaß noch am Ende, als Bruno Jonas zusammen mit seinem Publikum („wir haben jetzt eine gemeinsame „Schnittstelle‘ im Leben“) einen beinahe dialogartigen Abspann nachschob, der in einer gemeinsamen Aufführung des Gefangenenchores aus Nabucco mündete.