Brillante Technik und hohe Musikalität

LINDAU – Wohlweislich hatte Bernhard Kratzer darum gebeten, den zu erwartenden Applaus doch bis zum Schluss aufzusparen. Angesichts der mitreißenden Interpretationen des international renommierten Trompeters ein Hinweis, der zwischendurch nur schweren Herzens zu, befolgen war.

Bereits der fröhliche Einleitungssatz des Es-Dur Konzertes von Johann Baptist Neruda hat klargemacht, mit welchem spielerischem Kaliber hinfort zu rechnen war: ein Trompetenton, der sämtliche Nuancen kraft brillanter Technik und hoher Musikalität zu formen wusste.

Kratzers Umgang mit seinem Instrument glich in seiner Sensibilität derjenigen eines Sängers, dem jede Ausdrucksmöglichkeit zur Verfügung steht. Selbst in vordergründig unspektakulären Stücken wie im berühmten Choral von Bachs „Herz und Mund…“- Kantate verschmolz die Trompete mit dem Orgelspiel von Paul Theis zu solcher Inbrunst, dass man fast an eine Originalkomposition des Thomaskantors glauben mochte.

Noch immer gilt die Kombination Trompete und Orgel als besonders attraktive Besetzung, seit Maurice Andre sie vor Jahrzehnten so populär gemacht hat. Auch in Nonnenhorn fanden sich weit über hundert Zuhörer ein, um sich von der Kunst des Solotrompeters im Staatsorchester Stuttgart fesseln zu lassen. Hier scheint der Rahmen dessen, was an nicht-kirchlicher Musik innerhalb einer (katholischen) Kirche akzeptiert wird, am leichtesten einzuhalten zu sein. Freilich haben dann die drei Sätze aus den „Versetti per il Gloria“ von Vincenzo Petrali gezeigt, dass auch die Orgel gelegentlich musikalische Alleingänge liebt, die dann eher nach Zirkus- und Wienermusik klingen als nach frommem Gotteslob: doch sie hat bei dieser Gelegenheit weit mehr Zuhörerlächeln erwirkt, als ihr das üblicherweise zugetraut wird. Eine Konzert-Sonate von Telemann, wo inbesondere Bernhard Kratzer noch einmal alle Register seines Könnens ziehen konnte, beendete dann den offiziellen Teil dieses festlichen Konzertes.

Dass es so eine Trompete, wenn sie denn so perfekt beherrscht wird wie hier, mühelos auch mit der Beweglichkeit einer Flöte aufnehmen kann, zeigte sich schließlich in der spritzigen „Badinerie“ aus Bachs h-moll Suite, die Bernhard Kratzer dem begeisterten Publikum als Zugabestück schenkte.