LINDAU – Zum Glück folgte mit einem herrlichen „Sommernachtstraum“ (noch ein würdiges Finale dieser Theatersaison. Denn drei Tage zuvor war es Manfred Wekwerth, der mit einem fragwürdigen Brecht-Abend dafür gesorgt hat, dass bereits in der Pause mehrere Zuhörer verärgert den Saal verlassen haben. Der Rezensent war auch dabei.
Wenn Zeitzeugen oder gar persönliche Bekannte über berühmte Persönlichkeiten berichten, liegt der Reiz gewöhnlich im Authentischen, aber auch in dem, was vielleicht an bisher Unbekanntem zu erfahren ist. Der 73-jährige Manfred Wekwerth stand fünf Jahre lang – von 1951 bis zum Tode Brechts im Jahr 1956 – in dessen Nähe und war dem Berliner Ensemble dann bis 1968 zunächst als Co-Regisseur, ab 1962 als Chefregisseur eng verbunden. Eine wichtige Zeitspanne also, wo die großen Namen deutscher Theatergeschichte noch heute Ehrfurcht einflößen. In der Regel finden solche Erinnerungen oder Lesungen darüber in entsprechenden Räumen oder Veranstaltungsreihen statt und sie haben auch ihr treues und interessiertes Publikum.
Manfred Wekwerth hat sich mit „Alles was Brecht ist“ für einen anderen Weg entschieden und das verantwortliche „Theater des Ostens, Berlin“ hat auch alles getan, ihn darin zu unterstützen: Man würzte das Ganze mit einigen bekannten Brecht-Songs, die Ehefrau Renate Richter mit ganzem Einsatz zum Besten gab und verkaufte die Angelegenheit dann als „Brecht-Revue“ – ‚raus aus der Leseecke und ‚rein ins Theater schien jetzt das Motto, dem auch prompt ein paar hundert Erwartungen auf den Leim gegangen sind.
Dort auf der Bühne plauderte Manfred Wekwerth also, erlaubte sich fünf Minuten nach dem Zeitpunkt, wo eigentlich die rettende Pause angekündigt war, die Ankündigung: „Ich möchte jetzt zu einem anderen Kapitel kommen“ und schien ansonsten gar nicht zu bemerken, dass die ersten 45 Minuten seiner eigenen Biographie möglicherweise auf weniger Interesse stoßen könnten als seine Begegnungen und Erfahrungen mit Brecht.
Da spielten viel Eitelkeit, keinerlei Timing und eine immer unkonzentriertere Vortragsweise zusammen, die schließlich in der unumstößlichen Einsicht mündeten, dass sich der Abend in diesem Stile wohl bis halb elf hinziehen würde: zuviel für eine Lesung, zuviel für dieses Konzept – und allenfalls akzeptabel, wenn es denn eine Revue mit entsprechender Ausstattung und ihren typischen Elementen gewesen wäre. Die ins Theater geschleuste „dramatische Autobiografie“, wie Manfred Wekwerth sein Buch nennt, mag vieles sein und auch manch Interessantes bereithalten, in dramaturgisches Hinsicht jedenfalls war sie alles, was Brecht nicht ist.