Big Band-Musik faszinierte

LINDAU Kaum einer Jazzformation gelingt es, so viele Menschen auf die Beine zu bringen wie einer Big Band. Beim Konzert der „Lehrer Big Band Bayern“ im Freizeitzentrum Oberreitnau war zu spüren, wo die Faszination und das Ansteckende dieser Besetzung liegen – und weshalb dazu weit über dreihundert Zuhörer kamen.

Um den Nachwuchs muß einem nicht bange werden: „Wir versuchen uns am Originalklang“, so hat der „Bandleader“ der Schülerband der Knabenrealschule (und spätere Saxophonist bei der Lehrerband) sein Credo umschrieben, um dann an Stücken von Count Basie oder Peter Herbolzheimer zu zeigen, wie dicht man denen schon auf der Spur ist. Da agierte mehr als nur eine „Vorgruppe“, und die spielte musikalisch so selbstbewußt auf und war so durchdrungen vom swingenden Big Band-Sound, daß gerade die älteren Kollegen besonders beeindruckt waren und heftig eine Zugabe erklatschten.

Der musikalische Boden war also bereitet, und der sollte im Laufe des abwechlungsreichen Abends noch reiche Früchte hervorbringen. Denn dafür war ab jetzt die Lehrer-Big-Band Bayern zuständig, die mit ihrem neuen Leiter Thomas Zoller so beherzt zur Sache ging, daß jedes Jazzherz höher schlagen mußte. Mit überwältigender Kraft und Präzision, dabei sensibel für sämtliche dynamischen Facetten, pulsierte da ein Klangkörper, der wenig Konkurrenz zu fürchten hat. Gekonnt bediente er sich aus dem anspruchsvollen Repertoire der Jazzklassiker, versah „Sweet Georgia Brown“ mit satten Einwürfen, zeigte brasilianisches Gespür bei „Children of Sanchez“ und bewies ein rechtes Maß an Feeling, als man Duke Ellington mit „In a Sentimental Mood“ huldigte. Drei professionell vorgetragene Gesangsnummern gaben dem Konzert noch eine zusätzliche Farbe und unterstrichen, daß das beachtliche Potential der versammelten Lehrerschaft keineswegs allein auf Pädagogische beschränkt zu sein scheint. Der hervorragende Schlagzeuger sorgte für Swing und musikalischen Fluß, und auch bei anders gearteten Stücken wie etwa „Us“ – einer funkigen Rocknummer – war zu sehen und zu hören, wie viel Spaß die Musikerinnen und Musiker bei ihrer „Arbeit“ hatten.

Wahre Begeisterung brach schließlich aus, als der swingende Synkopenrhythmus bei „Christopher Columbus“ das Publikum zum Mitklatschen verführte, das erst bei der dritten Zugabe – „Jumpin‘ at the Woodside“ – bereit war, das Ende nicht noch weiter hinauszuzögern. Es war ein gelungener Abend im Freizeitzentrum Oberreitnau, der durch eine geschmackvolle Dekoration und ein ausnehmend freundliches und schnelles Personal abgerundet wurde.