LINDAU – Das nach und nach breiter werdende Ausbildungsangebot der Musikschule ermöglicht auch ein immer umfangreicheres musikalisches Aufführungsangebot: am Sonntag war das eine überaus reizvolle Fassung von Engelbert Humperdinks Märchenoper „Hänsel und Gretel.“
Gewiss gibt es viele klangvolle Namen, die der traurigen und dramatischen Geschichte von Hänsel und Gretel zu diskographischem Ruhm verhalfen: Brigitte Fassbaender und Lucia Popp etwa, oder – ein paar Jahre früher – Anna Moffo und Helen Donath. Und doch vergisst man darüber gern, dass es sich bei diesen populären Titelfiguren eigentlich um Kinder handelt.
Diesen Aspekt hat die Aufführung der Musikschule nun wieder in den Vordergrund gerückt und das mit beachtlicher Qualität. Die beiden Mädchen Maria Sauter und Verena Fischer verliehen dem Geschwisterpaar nicht nur sympathische Glaubwürdigkeit, sondern dank ihrer stetig wachsenden stimmlichen Reife auch musikalische Schlüssigkeit. Kein Zweifel: auch die Arbeit innerhalb der Gesangsklasse von Regina Kuhn trägt Früchte, von denen die Musikschule nur profitieren kann.
Die konzertante Aufführung hat sich äußerlich auf hübsche Kostüme für die fünf Akteure beschränkt und natürlich hat davon die Hexe am deutlichsten profitiert: Elvira Boxleitner, als erfahrene Sängerin im klassischen Fach schon lange bewährt, hat ihren Part als Hexe mit großer Hingabe, stimmlicher Kraft und spielerischer Leidenschaft absolviert: Manches Kind unter den Zuschauern hat sich während ihres wirbelnden Hexenrittes ängstlich hinter seinen Eltern versteckt. Gerhard Eckl sang den Vater sympathisch und gerade in seinen vielen Moll-Passagen intonationssauber. Und Laura Mildner bewährte sich nicht nur an der Geige, sondern auch als gefühlvoll singender Sandmann.
Gut vorbereitet war auch das Jugendkammerorchester unter der Leitung von Gerhard Kirchgatterer, das mit weichem Klang, großer Präzision und rhythmischer Sicherheit zu einem zuverlässigen Partner für die Gesangssolisten wurde. Heike Grimmel hat die musikalischen Teile sprachlich gekonnt miteinander verbunden und zweimal auch als Pianistin agiert.
Zwischen bekannten Stücken wie „Suse, liebe Suse“, „Ein Männlein steht im Walde“ und dem wunderbar gesungenen „Abendsegen“ entwickelte sich so ein anregender und anrührender Opernnachmittag für Jung und Alt, der die Sommerhitze außerhalb und innerhalb des Sparkassensaales schnell vergessen ließ.