LINDAU (lz) – Obwohl das Kapitel „Insel-Symphonie“ mittlerweile beendet ist, partizipiert Lindau auch in diesem Jahr von der Festspielpräsenz der Wiener Symphoniker: Mit ihrem „Barock ensemble“ kamen sie jetzt auf die andere Uferseite, um im Münster ein keineswegs alltägliches Konzert zu geben.
Bei Konzerten im Mozartjahr kann ein Bezug zum Namensgeber gewiss nicht schaden: Das denken sich zurzeit viele Anbieter, und oft ist dieser Bezug sehr fragwürdig. Nicht so beim „Barockensemble der Wiener Symphoniker“ unter seinem Dirigenten Christian Birnbaum: Unter der Überschrift „Die Welt des Wolfgang Amade“ gab es Kompositionen aus der Zeit des Meisters, unter denen immerhin auch das selten gespielte Posaunenkonzert von Vater Leopold vertreten war. Christian Birnbaum bewährte sich dabei nicht nur als einfühlsamer Dirigent, sondern ermöglichte durch seine lockere Moderation auch einen Blick auf die Hintergründe der Werke und die Beziehungen der jeweiligen Komponisten zu Mozart.
Den Auftakt bildete das Concerto grosso in G-Dur von Händel, in dessen Todesjahr Mozart allerdings erst drei Jahre alt war. Gleichwohl war dieser Anfang schon deswegen sinnvoll, weil letzterer ein großer Bewunderer des berühmten Meisters war und später einige seiner Werke bearbeitet hat.
Die barocke Spielweise mit ihrer feinen Phrasierung entfaltete sich in der prächtig besetzten Münsterkirche zu einem Klangbild voller Frische, Durchsichtigkeit und Schönheit. Sie kam auch dem bereits erwähnten Posaunenkonzert zugute, das insbesondere im kantablen Adagio eine geradezu andächtige Stille erzeugte. Solist Otmar Gaiswinkler verblüffte auf seinem Instrument durch saubere Tongebung und eine Leichtigkeit, die man sonst eigentlich bei der Trompete kennt.
Warmer Ton erfüllt den Raum
Einer ebenso hohen Spielkultur sah man sich auch bei Andreas Pokorny gegenüber, der Georg Christoph Wagenseils A-Dur-Cellokonzert mit warmem, raumfüllenden Ton belebte; das Werk des Frühklassikers erinnerte auch an dessen besondere Nähe zu Mozart, waren die beiden doch eine Zeit lang Streichquartett-Partner. Auch hier war es der langsame Satz, dessen Kadenz für einige anrührende Momente im Münster sorgte. Von Wagenseil, der auf diese besondere Weise zur „Welt des Wolfgang Amade“ gehörte, erklang am Ende noch ein kurzes, effektvolles Cembalokonzert, wo Johannes Hämmerle den Ruf des Komponisten als ebenso großartiger Cembalist nachvollziehbar machte. Auch hier imponierte dieses Ensemble erneut durch homogenen Klang und stilistische Einheit.
Zuvor aber war die Mezzosopranistin Rita-Lucia Schneider mit dem „Salve Regina“ eines anderen zeitweiligen Weggefährten Mozarts zu hören, nämlich Johann Adolf Hasses. Es ist das bekannteste kirchenmusikalische Werk des einstigen Dresdner Hofmusikers, und die Sängerin mit dem ungemein warmen Timbre und der wohlklingenden, vollen Stimme erhob das Werk zum musikalischen Glanzpunkt dieses Konzertabends. Es gab wohl kaum jemanden im Kirchenrund, der nicht in den Bann dieser ausdrucksvollen Stimme gezogen wurde und sich nicht dem langen Beifall danach anschloss.
Nicht zuletzt ihretwegen, aber auch durch seine spielerische Klasse und sein stimmiges Programm, gehört dieses Konzert, das mit Bachs „Air“ als Zugabe endete, in die Reihe der festspielwürdigen Angebote dieses Sommers.