LINDAU – Am Sonntag hat der Internationale Konzertverein seine „Herbstsaison“ eingeleitet. Das bedeutet auch, dass die Veranstaltungen ab jetzt wieder im „Forum am See“stattfinden. Zum Auftakt mit Barockmusik kamen etwa 60 Zuhörer, von denen allerdings keiner einen Platz der 65-Mark-Kategorie in Anspruch nehmen wollte.
In seiner Begrüßung sprach Peter Vogel die Intention des Abends an: Er sei „dazu da, die Musik so zu hören, wie sie damals geklungen hat.“ Und in der Tat waren es vor allem die Barockoboe von Katharina Suske und die mit Darmsaiten bespannte Violine von Editha Fetz-Vogel, die den Unterschied zu heutigen Instrumenten am deutlichsten machten. Deren Dialog beispielsweise in den Triosonaten von Händel und Telemann war gekennzeichnet von warmem Ausdruck und einer klanglichen Verschmelzung, wie sie für heutige Hörgewohnheiten gar nicht mehr selbstverständlich ist. Wer dabei noch auf so klangsensible Continuo-Partner bauen kann, wie es Günther Fetz am Cembalo und der wache Matthias Kuhn am Cello sind, der ist prädestiniert für solch barocke Kleinode, die an diesem Abend geboten wurden. Eine sprudelnde musikalische Rarität zauberte Günther Fetz aus seinem Instrument, als er vor zwei kurze Scarlatti-Sonaten eine Ciaccona von Bernardo Storace stellte und damit ein spannendes Beispiel seiner Entdeckungslust vortrug. Je eine Oboen- oder Violinsonate von Telemann und Leclair gaben dann den beiden Musikerinnen Gelegenheit, ihre bekannten solistischen Fähigkeiten mit der gebotenen technischen Differenziertheit in Einklang zu bringen. Insoweit hat dieses Konzert alle interpretatorischen Erwartungen, die man an diese erfahrenen Künstler stellen darf, mühelos erfüllt.
Gleichwohl muss die Frage erlaubt sein, ob eine solche Auswahl barocker Kleinwerke tatsächlich einen Abend lang trägt: Zu dicht hintereinander wirken sie schnell gleichförmiger und harmloser, als sie es tatsächlich sind. Die meisten von ihnen verdanken ihren Ursprung ja keineswegs der Aussicht, von einem mondänen Konzertpodium aus den Weg zum geneigten Hörer zu finden – es waren oftmals Gelegenheitsstücke, die vornehmlich der Unterhaltung in höheren Kreisen dienten und von denen damals unzählige komponiert wurden. Insofern sollte man sie auch vor allzu kritischer Auseinandersetzung schützen. Die soll dann wieder den Programmen und Künstlern gelten, die der ursprünglichen Idee des Konzertvereines näher stehen.