LINDAU – Trotz verwirrender Angaben hinsichtlich des Beginnes waren rund hundert Konzertinteressierte rechtzeitig zur Stelle: Das mittlerweile schon Tradition gewordene Dreikönigskonzert des Collegium Musicum wartete einmal mehr mit einem ebenso stimmigen wie auserlesenen Programm auf.
Es muss nicht immer Corelli sein: Beim Dreikönigskonzert in der ziemlich kalten Pfarrkirche St. Ludwig erklang diesmal das Weihnachtskonzert von Gaetano Maria Schiassi – ein melodienseliges Barockwerk, das auch ohne jede romantisierende Spielweise viel pastoralen Glanz zu verströmen wusste. Auch im Folgenden tauchten fast ausschließlich Komponisten auf, die meist nur Kennern bekannt sind. Doch ließ sich bereits an Heinrich Grimms geistlichem Konzert „Machet die Tore weit“ ablesen, wie wenig das über deren Qualität und Originalität aussagt.
Der zweite Teil des Konzertes stand unter dem Titel „Nun komm der Heiden Heiland“. Die Stimmen der Sopranistin Anita Steuer und Meike Olbrich, Mezzosopran, verbanden sich in den verschiedenen Vokalsätzen aufs Angenehmste, und man hatte den Eindruck, als seien sie bei solcher Musik auch vorwiegend zuhause. Erfreulich auch, dass sie dabei ein Werk von Johannes Werlin zu Gehör brachten, der im 17. Jahrhundert Lehrer und Kantor in Lindau war. Wilfried Bergmann, der wieder einmal für die exquisite Zusammenstellung dieses Konzertes verantwortlich war und auch als Bratschist und Cembalist fungierte, vergaß in diesem Zusammenhang nicht, seinen Freund Nikolaus Schwärzler zu erwähnen, dem viele solcher wertvoller Entdeckungen zu verdanken sind.
Im dritten Konzertteil schlossen sich der virtuosen Cembalofassung über „Vom Himmel hoch“ wiederum drei themenverwandte Sätze für Singstimmen an. Großen Eindruck machte dabei Anita Steuer mit ihrem klaren und strahlenden Sopran in der Kantate „Ach mein herzliebes Jesulein“ von Melchior Schildt. Auch das prächtige Schlussstück – Christoph Graupners Choralsatz „Fröhlich soll meine Herze springen“, das jetzt wieder von beiden Sängerinnen dargeboten wurde — sollte die nachweihnachtliche Stimmung noch einmal auf besonders festliche und fröhliche Weise betonen. „Ein Kind gebor’n zu Bethlehem“, wiederum von Christoph Graupner, hatten die Musiker noch als Dank für den langen Beifall mitgebracht.