Aufführung wie aus einem Guss
Wohl dem, der solche Auswahl hat: mit Katerina Jacob und Dirk Galuba präsentierte Ellen Schwiers ein Traumpaar für Shakespeares Komödie „Der Widerspenstigen Zähmung“. Laut und temporeich ging’s dort her, und am Ende gab es sogar stehende Ovationen im voll besetzten Theater.
Wenn sich jemand an diese frühe Shakespeare-Komödie macht, dann tut er gut daran, das Schauspieler-Personal nach seiner Eignung für drastisches Wortspiel, flotte Choreographie und eindeutige, mitunter deftige Rollengestaltung auszuwählen. Zwar mangelt es auch diesem Stück nicht an subtilen Momenten, doch seine Wirkung bezieht es davon kaum. In ihrer Inszenierung für „Das Ensemble“ konnte Ellen Schwiers auf ihre eigene Übersetzung aus den siebziger Jahren zurückgreifen, und nicht zuletzt daran mag es liegen, wenn diese Aufführung wie aus einem Guss wirkt.
Schon der fulminante Auftritt von Katerina Jacob als widerspenstige Katharina verhieß einen heftigen Zusammenprall mit ihrem späteren Ehemann Petruchio. Den versah Dirk Galuba mit allen Attributen, die jede Frauenbewegung zur militanten Protestbewegung machen müßte. Und doch geriet diese erste Kennenlern-Szene nicht nur zum erwarteten Schlagabtausch, sondern auch zu einem Kräftemessen zwischen den Geschlechtern, das von tiefer Kenntnis von Partnerschaftsproblemen zeugt. Das köstliche Freier-Trio aus dem herzhaft übertreibenden Tranio (Thomas Killinger), dem geschleckt Vornehmen Hortensio (Hans Zwimpfer) und dem schrulligen Gremio (Dirk Bender), dessen vorgerücktes Alter aussichtslos-sympathisch negiert wurde, mühte sich in herrlich plumper Komödienmanier um Schwester Bianca.
Sie wurde zwar von Melanie Jung vergleichsweise blass verkörpert, doch tat das der Werbeintensität des Trios keinerlei Abbruch: Just diese Bianca mußte es sein, und wohin solch idealistische Verblendung führt, hat die ernüchternde Schlusswette hübsch dargestellt. Den stimmgewaltigen Grumio stattete Hagen Marks mit üppigen Spielelementen aus, die sich oft zur schieren Kadenz zu verselbstständigen drohten – ein komödiantisch-ruppiges Talent der Sonderklasse. Unbedingte Erwähnung gebührt auch Albrecht Schmidt-Reinthaler, der die Komödie um zahlreiche musikalische Beiträge (u.a. mit Laute und Dudelsack) bereicherte, ohne damit das flotte Grundtempo der Inszenierung zu beeinträchtigen.
Und dann noch Katharinas Schlussrede: klug, überlegen und mit zielgenauer Ironie hat sie nicht nur ein schauspielerisches Highlight geliefert, sondern glaubwürdig von der weiblichen Kunst berichtet, dem Gatten das Seine, der Gattin aber all jenes zu lassen, was dieser meint, als Widerspenstigkeit zähmen zu müssen. Ein höchst vergnüglicher und anregender Theaterabend.