Armin Fischer raubt Illusionen
Nichts wars mit der Hinterbühne: Weil fast 300 Zuhörer gekommen waren, um dem pianistischen Treiben Armin Fischers zuzusehen, ist man kurz entschlossen in den großen Saal des Stadttheaters umgezogen. Dort gab es dann jede Menge Spaß und Musik.
Wenn sich eine zündende Idee einmal bewährt hat, kann es passieren, dass alles Weitere sich möglichst dicht an dieser Ausgangssituation orientiert. So hält es auch der brillante Pianist und Entertainer Armin Fischer: Bereits vor ein paar Jahren begeisterte er mit seinen respektlosen Vorstößen ins Reich der Klassik und seinem Nachweis, dass der Großteil ihrer bekannten Melodien im Grunde nur einer Quelle entstammt, nämlich dem Beginn des „Wohltemperierten Klaviers“ von Bach. Und auch hinsichtlich der viel geliebten „Moldau“ raubte er uns wieder ein paar Illusionen – ist doch ihre weltbekannte Melodie nichts weiter als eine raffinierte Abwandlung von „Alle meine Entchen.“
In diesem Stil machte Fischer bei so manchem Komponisten Halt und griff dabei weitgehend auf Kompositionen zurück, die sich dafür nun einmal besonders gut eignen.
Heillos, virtuos und mit blühender Fantasie legte er sich etwa mit Beethovens „Für Elise“ an, die er unbekümmert zwischen „Zorbas Dance“, Kalinka, der Ungarischen Rhapsodie und seiner Mundharmonika (auch „Spiel mir das Lied vom Tod“ musste herhalten) zu verschleißen suchte. Man wurde Zeuge, wie er den Zuhörern die esoterische Fassung von Griegs „Morgenstimmung“ näher brachte, die nicht nur auf ein fachgerechtes Vogelgezwitscher zurückgreifen konnte, sondern auch in der hauchenden Versicherung gipfelte: „Auch du bist schön.“
Qualität ist Voraussetzung
Dazwischen, gewissermaßen als „running gag“, tauchte regelmäßig der Barmusiker Armin Fischer auf, der mit einer unnachahmlichen Fassung von „As time goes bye“ eins ums andere Mal für Beifall und kräftige Lacher sorgte. In seiner Kurzversion von Gershwins „Rhapsody in blue“ blühte er regelrecht auf. Hier wurde deutlich, dass nur Pianisten seiner Qualität sich überhaupt an diese Art von Klassik-Entertainment heranwagen dürfen. Dass dazu auch die Fähigkeit gehört, gleichzeitig sprechen und Aberwitziges spielen zu können, führte Armin Fischer ohnehin ständig vor.
Mag sein, dass Teile des zweiten Durchgangs gegenüber dem ersten ein wenig abfielen. Vielleicht aber bestätigt das ja im Grunde nur, dass man an einer gut konzipierten Idee gar nicht allzu viel ändern muss, um am Ende den begeisterten Beifall zu erhalten, wie er Armin Fischer an diesem späten Abend zuteil wurde.