Armin Fischer

Daß der Konzertsaal auch im Sommer voll zu bekommen ist, bewies am Dienstag Kabarettist Armin Fischer. Sein englisch vorgetragener Humor amüsierte ebenso wie sein beachtliches Klavierspiel.

Da standen sie also, Fischer, Steinway & Sons. Nichts sprach mehr dagegen „to start with the begin“ – naja, das hatten wir etwas anders gelernt und sollte auch nur den Reiz erhöhen, den es hat, wenn ein Deutscher englisches Kabarett macht. Und dann die Inthronisation des c-moll-Präludiums zum vorläufigen Running Gag, jenem von Bach; Joe Butch (sprich: batsch), wie es da den Engländern unterstellt wird. Und nun weist Armin Fischer nach, daß eigentlich die meisten Stücke ihren Ursprung in dieser stoischen Begleitmelodie haben.

Dem widersetzte sich zwar der mächtige Beginn von Tschaikowskys berühmten b-moll-Konzert, aber ansonsten: von „Macky Messer“ über „As Time goes bye“, von Beethovens „Elise“ bis zur „Ungarischen Rhapsodie“ von Liszt, selbst „Take Five“ und „Spiel mir das Lied vom Tod“ (mit Mundharmonika gespielt!): Alle lösten sich allein aus dieser Tonfolge.

Und es muß gesagt werden:

Auch Claydermans „Ballade pour Adeline“ kann diesen Ursprung nicht verleugnen. Ach, dieser Claydermann – wie mußte er immer wieder für traurigen Spott herhalten: „A very difficult moment for Richard C.“, immer und immer wieder, sobald ein schwieriges Stück in Sicht kam. Armin Fischer platzierte diese Einwürfe galant und fern jeder Derbheit.

Dann war da noch dieser „türkische Marsch“ by „Wolfgang Allegretto Mozart“, wie der wohl laut Notenblatt heißen muß, und schließlich folgte eine abenteuerliche Jagd durch Gershwins „Rhapsody in blue“.

Wie liebt Fischer doch diesen Gershwin, weil der einfach manches nicht mochte und es deshalb gar nicht erst komponiert hat; und wir sind daher in der glücklichen Lage, daß uns praktisch keine Musik von Gershwin bekannt ist, die wir jetzt vermissen würden… Valentin läßt grüßen!

Nach der Pause wieder ein kurzes Zitat aus besagtem Präludium – doch: Er wolle, daß man sich an ihn erinnere, und dann ein weiterer Rundflug zu einem Ragtime nach New Orleans und zur Moldau nach Prag. Der Beweis, daß das berühmte Thema nichts anderes als das Liedchen „Alle meine Entchen“ ist.„Das Schwänzchen in die Höh‘ “ verband er mit der seligen Hoffnung: „I prefer to die the same way.“ Das kam an.

Noch ein wenig nach „Southern Greenland“ , in unsere Ecke mit „The holy Song of Franz von Assisi marching across the Bodensee“, und schon war man am furiosen Finale an-gelangt. Eine prachtvolle Verarbeitung von Melodien, die eigentlich gar nicht zusammen passen – weshalb wollte sich einfach keiner „New York, New York“ wünschen! – verquickte Fischer zu einer virtuosen Rhapsodie in Lisztscher Manier. Wahrhaftig – „a very difficult moment for Richard C.“ Der Lohn: Tosender Schlussbeifall des Publikums.