Inmitten der augenblicklichen Veranstaltungsschwemme war es vermutlich der Jazzclub, der dabei das künstlerische Glanzlicht setzte: dort nämlich spielte das Trio um den „shooting star“ der deutschen Jazzlandschaft, die Pianistin Anke Helfrich, die von manchen scherzhaft als „blonde Antwort auf Barbara Dennerlein“ bezeichnet wird.
Der Eindruck, der einem als verspäteter Besucher im Jazzkeller des „Zecher“ entgegenschlug, war stark: höchst konzentrierte Zuhörer, die vom Spiel, wohl aber auch von der frappierenden Bühnenpräsenz dieser schönen Pianistin und ihrer beiden Mitspieler gefesselt waren und dafür bis zum Ende mit einem Gruppenspiel höchster Güte belohnt wurden. Man darf also auch aus dem kleinstädtischen Weinheim kommen, um sich selbstbewusst in die Nähe der Jazzgrößen zu begeben, denen Anke Helfrich ihre Inspiration, aber auch ihren Entschluss verdankt, im reich besetzten Feld guter Jazztrios ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Das hat ihr immerhin gleich bei ihrer ersten CD den „Stern des Monats“ eingebracht und jenen begeisterten Rezensenten zu dem Prädikat „Nobelpreiswürdig“ hingerissen.
Und in der Tat: die seelenvollen Grooves Anke Helfrichs, die der technischen Brillanz ihrer Finger entsteigen und das Spiel mit schrägen Harmonien, zu dem sie gerade in Bearbeitungen von Standards besonders inspiriert scheint, verschmelzen zu einem Eindruck, der die immer steiler verlaufende Karriere dieser Künstlerin schnell erklärt. So prägnant und klar ihr Anschlag auch ist – man ist sich des Augenblicks nie sicher, wo sie einen vermeintlich klar durchschaubaren Themenaufbau verlässt und plötzlich mit Lust, Spielfreude und fernen Bebop-Anklängen in die Welt der Improvisation abtaucht und dort ein herzerfrischendes Eigenleben mit Kanten und Ecken entwickelt.
Der kurzfristig eingesprungene Bassist Thomas Stabenow und ihr Partner und Schlagzeuger Jochen Rückert folgen ihr dabei mit geradezu kammermusikalischer Hingabe und der offensichtlichen Sicherheit, gelegentlich auch mit eigenen Soli in das phantasievolle Geschehen eingreifen zu können. Dennoch agiert Anke Helfrich ganz eindeutig als Impulsgeberin, sei es in den melodischen Läufen, die sie mit ihrer rechten Hand vollführt oder aber in den satten, fast immer blues-orientierten Akkorden, die ihre Eigenständigkeit gerade in Eigenkompositionen noch einmal hervorhebt.
Klar, dass diesem fesselnden Jazzabend auch eine angemessene Zugabe folgen musste: die fand das Anke Helfrich Trio mit einem näheren Bezug zur Wirklichkeit, als es vor allem den Marathonläufern recht sein konnte: „September in the Rain.“