LINDAU – Strahlende Gesichter beim Vereinsvorstand: nicht zuletzt durch seine geglückte Künstlerauswahl gab es jetzt schon mehrmals hintereinander ein volles Haus im Jazzclub. Auch „Mahdi Milla Extra Set“ brachte es zustande, dass Masse und Klasse zusammen fanden.
Darauf, dass nun jeder Titel unter die Überschrift „Jazz“ zu passen habe, besteht Mahdi Milla gar nicht. Und in der Tat: Die Wirkung der überwiegend von ihm geschriebenen Titel ergibt sich meist ein Gegenüber der raffinierten Bläsersätze – meist drei Saxophone, gelegentlich mit Klarinette oder Flöte durchmischt – und der von ihm angetriebenen, um den Bass von Dietmar Kirchner ergänzten Rhythm-Section. Das oftmals komplexe Improvisationsvermögen von Robert Bernhard, Norbert Dehmke und Bernhard Klas schimmerte zwar jederzeit durch, doch lag der Schwerpunkt diesmal stärker im aufregend kalkulierten Umgang mit den vorgegebenen Arrangements als im üblichen Jammen. Das aber tat dem musikalischen Ergebnis keinerlei Abbruch – im Gegenteil: Mahdi Millas pulsierender Drive und die rhythmisch betonten Bläsersätze verbanden sich zu einem mitreißenden Ganzen, dem sich die begeisterten Zuhörer nur selten entziehen konnten. Überraschend eingestreute Breaks, die gefühlvoll umspielt, immer wieder auch mit hochvirtuosem Material gefüllt wurden, zeugten nicht nur vom Können, sondern auch von der überspringenden Spiellaune der Band.
So nahm nach knappen zwei Stunden auch kaum jemand im Raum die erste Ankündigung ernst, dass es sich beim nächsten Stück bereits um das Finale handele. Vielmehr erklatschte sich das aufgestachelte Publikum noch manch spannenden Einblick in das packende Repertoire des „Mahdi Milla Extra Sets“, das sich schließlich doch noch zu einer „Jazzclubgemäßeren“ Zeit von ihm verabschiedete.