LINDAU – So kann der Begriff „Sonntagsmatinee“ zum Markenzeichen werden: Mit einem auserlesenen Programm gelang es dem Vokalensemble „a tempo“ auf Anhieb, mehr als zweihundert Zuhörer ins „Schwörer-Haus“ zu locken. 60 Minuten genügten, um zu zeigen, dass sich auch ein besonders herrlicher Frühlingstag noch einmal aufwerten lässt.
„Musikalische Delikatessen“ hat Ulrike Friedmann den öffentlichen Einstand mit ihrem Vokalensemble genannt. Dass sie darunter mehr versteht als die Aneinanderreihung einiger hübscher Gesangsnummern, hat die kluge Programmfolge enthüllt: „Menue“ stand darüber, und raffiniert verbanden sich nun Stücke vom 16. Jahrhundert bis zu unserer Zeit, die dem stilvollen Anspruch gerecht wurden und zu einem überaus bekömmlichen Musikgenuss wurden.
Mit ihrer 30-köpfigen Truppe geht es der engagierten Musiklehrerin des Valentin-Heider-Gymnasiums bestimmt nicht um den Nachweis, dass diese schön singen kann; ihre Herausforderung sieht sie ganz offensichtlich darin, mit leistungsbereiten und fähigen Sängerinnen und Sängern ein Repertoire zu erarbeiten, das sich durch komplizierte Arrangements, ungewöhnlichen Stimmengebrauch und immer wieder auch humorvolle Wirkung auszeichnet: nicht zum „Montanara-Chor“, sondern zu den „King’s Singers“ läuft die musikalische Spur. Dort finden sich dann auch so programmatische Nummern wie „Gesellschaften bei Tisch“, wo der Finne Einojuhani Rautavaara eine chorische Lautmalerei serviert, die manchen Rapper neidisch machen könnte.
Oder „Insalata Italiana“, jene Parodie auf eine Opernszene, die so anschaulich und sympathisch all die musikalischen Fachbegriffe zusammenfasst, an denen ganze Heerscharen von Schülern und Lehrern aneinander verzweifelt sind.
Mit entschlossenem und sensiblem Dirigat überträgt Ulrike Friedmann ihre klanglichen Intentionen an den hochkonzentrierten Chor, der in seiner dunklen Grundausstattung und den bunten Halstüchern auch optisch eine gute Figur machte. Dazwischen sorgte Susanne Eder mit vier eindrucksvoll vorgetragenen Klavierstücken von Edvard Grieg dafür, dass dem musikalischen Menue zwei instrumentale Gänge hinzugefügt wurden, die sich harmonisch mit den vokalen Leckerbissen verbanden. Bleibt zu wünschen, dass Matineen mit einem solch schlüssigen Konzept zu einer regelmäßigeren Einrichtung werden.