Der Kontrabass (Patrick Süskind)

Ein köstlicher und intelligenter Spass

Lange war das Stück nicht mehr in unserer Region zu sehen, doch jetzt hat es für einen perfekten Start des Wasserburger Kultursommers gesorgt: „Der Kontrabass“ von Patrick Süskind, dem diesmal Markus Stöcklin all seine Hassliebe angedeihen ließ.

Es war keine schlechte Idee des Regisseurs, diese Rolle so anzulegen, dass man sich eigentlich nie ganz sicher war, ob Markus Stöcklin seine mittlerweile neunjährige Karriere als Kontrabass-Interpret nun als Schauspieler im letzten Glied oder als Musiker am dritten Pult begonnen hat; seine glaubhafte Darstellung jedenfalls lässt vermuten, dass ihn seine künstlerischen Ambitionen irgendwann an den Scheideweg geführt haben und er sich dort – vor der Wahl zwischen Schauspiel und Musik – für beide Wege entschieden hat. 

Dort jedenfalls müht er sich nun erfolgreich und unter öffentlich zelebriertem  Biergenuss, dem Publikum klarzumachen, dass der Kontrabass das bedeutendste Instrument ist: das Fundament des Orchesters, aus dem gleichsam der musikalische Samen entspringt. Ein Orchester ohne Bläser oder Bratschen, gar ohne die verhassten Gastdirigenten sei ohne Weiteres denkbar. Keines aber ohne Kontrabässe!

Dann aber entblättert Markus Stöcklin in sicheren Steigerungsschritten die wahre Haltung der Bässe-Zunft über ihr Instrument: „kein Ton, mehr eine Reiberei“ sei das Ganze, und wie bei manchem Menschen stecke zwar ein Universum in ihm, „nur herausbringen tut man ums Verrecken nichts.“ Ein „Waldschrat“ von Instrument, aus dem schon deswegen kein schöner Ton herauszubringen sei, „weil einfach keiner drin ist.“

Markus Stöcklin baut geschickt sein Publikum mit ein, lässt ein Foto seiner „fernen Geliebten“ – netter Gag: es ist Christine Kaufmann – herumgehen und fragt irgendwann direkt: „können Sie mir erklären, weshalb jemand mit einem Instrument zusammenlebt, das einen ständig behindert: gesellschaftlich, verkehrstechnisch, sexuell und musikalisch?“ Dazwischen formuliert er immer wieder seine Aversion gegen Wagner und seine Musik und hat Verständnis dafür, dass kein namhafter Komponist ein Konzert für Kontrabass und Orchester geschrieben hat („die hatten einfach zu viel Geschmack“) – und als Beweis ertönt dann jenes von Dittersdorf: „eine Kadenz zum Totlachen: man hört, dass er nebenher Forstmeister war…“ Wie ein Phantom in unerreichbarer Ferne schwebt unterdessen Schuberts „Forellenquintett“ über ihm, quasi das Krönungskonzert für diejenigen Kontrabass-Spieler, die nicht wie er am dritten Pult spielen. Sein Part findet dort statt, wo Süßkind sagt: „wir sind zu acht, da ist es wurscht, was jeder spielt, wenn nur der Stimmführer gut ist.“

So gab es herrliche Einblicke in das Leben von Komponisten und Interpreten, jede Menge zur Psychoanalyse des Kontrabasses, und noch viel mehr zu derjenigen seines Spielers, dem seine Geliebte ebenso unerreichbar bleibt wie der Solopart im „Forellenquintett.“ Ein köstlicher und intelligenter Spass, den ein restlos ausverkaufter Gemeindesaal am Ende mit reichlich Beifall belohnte.