Hokuspokus (Curt Goetz)

Spritzige Dialoge

In Sachen Spannung und Dialogwitz sticht die in die Jahre gekommene Komödie „Hokuspokus“ immer noch manches aus, was seitdem fürs gleiche Fach geschrieben wurde. Der Herausforderung allerdings, den angesetzten Staub weitgehend vergessen zu machen, hat sich auch die Aufführung im Stadttheater nicht gestellt.

Wer sich entschließt, eine Curt-Goetz-Komödie anzuschauen, will die Erwartungen erfüllt sehen, die auch zum Theater gehören: geistreiche Unterhaltung, aber auch die Neugierde darauf, wie andere Schauspieler mit Stücken zurechtkommen, die man sonst nur aus alten Filmen kennt. In dieser Hinsicht war die Inszenierung der „Komödie auf Achse Hannover“ gewiss keine Offenbarung, doch förderten bestimmte Szenen genügend schauspielerischen Ehrgeiz zutage, um gerade im ersten Teil den Eindruck zu verhindern, dass es darauf gar nicht so sehr ankomme. Vielleicht sorgten ja die unüberhörbaren Textschwächen des Gerichtspräsidenten (Heinz W. Krückeberg) und die nachlässige Sprachkultur des Herrn Graham (Gerd Neubert) zunächst dafür, dass das Ganze spielerisch ein wenig dünn wirkte.

Doch mit dem Auftritt von Peer Bille, der seinem Part eine gewisse Farbe und Charakter verlieh, wurde die Geschichte allmählich griffiger. Vollends ins Rollen kam sie durch Marion König, die als Agda Kjerulf überzeugend mit den Klängen des dänischen Akzentes spielte und sich erst am Schluss als gebürtige Allgäuerin outete – ein hübscher Regieeinfall. Die Umsetzung des forschen, selbstsicheren Staatsanwaltes oblag Norbert Hülm; er pflegte meist die siegessichere Pose, die ihn aber von zusätzlichen Facetten seiner Schauspielkunst zu entbinden schien.

Köstlich und herzhaft überzogen gerieten die Auftritte des Zeugen Eunano und der Zeugin Sedal (Beatrice Fago, die später auch Frau Kiebutz spielte). Hier hat Curt Goetz zwei herrliche Nummern eingebaut, die jedes Komödienherz höher schlagen lassen. Auch die Lindauer Aufführung zeigte Gerd Neubert von seiner eigentlichen Seite. Trotz ihrer langen Dauer gelang es den beiden Anwälten dann, ihre Schlussplädoyers spannend zu gestalten und mit Anspielungen auf die aktuelle Tagespolitik zustimmende Publikumsreaktionen herbeizuspielen: die Frage, ob ein reiner Indizienprozess in Anbetracht vieler Interpretationsmöglichkeiten überhaupt zulässig sei, verneint der Autor in entwaffnend überzeugender Beweisführung – und das ist mehr, als man von einer Komödie erwarten darf.

Ein interessanter Aspekt dieser Produktion ist zudem die Tatsache, dass sich Christian Vitu sich während der Tournee die Rolle des Butlers und des Gerichtsdieners nicht nur mit Hannes Ducke teilt, sondern mit Martin Rassau auch noch diejenige des Peer Bille. Alles in allem war es ein Theaterabend, der spritzige Dialoge bereithielt, auf den aber das am häufigsten gehörte Wort im Foyer vermutlich am besten passt: ganz nett.