Einmal Moskau und zurück (Alexander Galin)

Durchsichtige und blasse Komödie

War da was? Die russische Komödie „Einmal Moskau und zurück“ bot gestandenen Schauspielern wie Eiert Bode oder Anna Haack ein angemessenes Betätigungsfeld für ihr Können. Ein besonderes Theatererlebnis allerdings bot sie nicht.
Eigentlich musste bereits das Programmheft stutzig machen: Wenn zum Stück gar nichts und zum Autor nur Banales steht, ist meist Vorsicht geboten. In der Tat: Allzu durchsichtig und an den Haaren herbeigezogen mogelt sich eine Handlung durch zwei Akte, die schnell erzählt ist. Um den verwitweten Vater gegen dessen Willen wieder zu verheiraten, besorgen Tochter und Schwiegersohn eine Auswahl von drei Damen, die aber nicht hintereinander, sondern gleichzeitig erscheinen. Dann Chaos, Streit, Sinneswandel und Happy End – Ende der Geschichte. Man lernt: Einsamkeit ist das Allerschlimmste und das Alter oft nicht lustig.
Eiert Bode als Nikolaj Michailowitsch hat also genügend Anlass, die Konzentration des Zuschauers auf sein herrlich-schrulliges Spiel zu lenken und kraft seiner Schauspielkunst zu demonstrieren, wie man sich einen leicht senilen und sturen Rentner vorzustellen hat. Er tut das inmitten einer russischen Zimmerdekoration, zu der die Telekom ein unpassendes Telefon beigesteuert hat – jenes unerlässliche Instrument, das zusammen mit der Türklingel für bestimmte Komödien erfunden worden ist, um den Mangel an zündenden Ideen durch ein vertrautes Geräusch zu ersetzen: Gelegentlich hilft das einer dürftigen Handlung auf die Sprünge. Jenem Klingeln also folgen nacheinander Anna Haack als noble und taktvolle Anwärterin Nummer eins, danach Antonia Linder als schrille und aufgetakelte Künstlerin, die ihre besten Tage lange hinter sich hat. Schließlich noch Viola Weissner als Diana, deren betreuerischer Eifer für Nikolajs Altersglück durchaus hilfreich sein könnte. Dazwischen geifert Angelika Auer als nervöse und überforderte Tochter; Peter Rißmann siedelt seine Rolle zwischen oberflächlichem Yuppie und nervendem Schwiegersohn an und hat dabei alle Hände voll zu tun, die Folgen des von ihm organisierten Meetings im Griff zu behalten. Schauspielerisch ergiebig sind dabei weder sein Part noch der von Angelika Auer.

Um jeder der drei Damen eine zweite Chance zu eröffnen, gibt’s noch ein weiteres „Vorstellungsgespräch“; dabei missachtet der Autor jede dramaturgische Anstandsregel, indem er die beiden anderen auf offener Bühne einschlafen läßt. Damit das gleiche Los nicht auch dem kritischen Zuschauer widerfährt, mutiert das Stück gegen Ende dann doch zu einer Komödie, was jedoch überwiegend das Verdienst von Eiert Bode ist und nicht dasjenige von Alexander Galin, dem russischen Autor. Ein blasses Finale macht dem Ganzen schließlich ein Ende, und der seitens der Darsteller standhaft in die Länge gezogene Schlussbeifall mündet letztlich doch in der Einsicht, dass wenigstens sie ihr Bestes gegeben haben.