Feuerwerk des Könnens
Das war nun genau eine jener Komödien, die das alles entkräften konnte: den Ruf des Theaters, zu wenig für Jugendliche zu bieten; den Vorwurf von denen, im Vorfeld nicht hinreichend auf dieses Stück hingewiesen worden zu sein; und nicht zuletzt die Befürchtung, dass anspruchsvolles Theater nicht auch unterhaltsam sein kann: „Shakespeares gesammelte Werke (leicht gekürzt)“ – dringend weiterzuempfehlen!
Man täusche sich nicht: Auch diesmal war der Anteil jugendlicher Zuschauer im gut besuchten Stadttheater beachtlich, und vielleicht sind sie es ja am ehesten, die ihren passiven Altersgenossen die Lust an solchen Veranstaltungen vermitteln können. „Nörgeln war gestern“ – für dieses Stück jedenfalls gab’s dafür wenig Angriffsflächen.
Den drei Autoren, die dem Oeuvre Shakespeares mit erfrischender Respektlosigkeit und einer Vielzahl kabarettistischer Momente zu Leibe rückten, stand in der Aufführung ein hervorragendes Schauspielertrio zur Verfügung. Michael Lerchenberg, Klaus Rodewald und der frischgekürte Träger des Deutschen Kleinkunstpreises 2001, Michael Quast, brannten ein Feuerwerk ihres Könnens ab: Da wurde klassisch rezitiert, virtuos getanzt und gefochten; dazwischen erklangen „Norwegian Wood“ und „Smoke on the Water“, und mit engagierter Publikumsbeteiligung mutierte sogar Richard Strauss‘ „Also sprach Zarathustra „zu einer ansehnlichen A-Capella-Nummer.
Manche Textstelle der vielen Tragödien verwandelte sich in der Komik eines anderen Dialektes zu heiterem Unsinn, und der blutrünstige Gehalt mancher Verse fand schon mal anschauliche Umsetzung mittels einer Wurstkette, die als Gedärme entglitt. In solchem Zusammenhang durfte natürlich auch ein aktueller Hinweis nicht fehlen: die Empfehlung, nach der BSE-beschädigten und dann auch zurückgetretenen Frau Stamm gleich das ganze bayerische Kabinett zu entfernen, entbehrt aus Sicht der Rinder ja auch nicht einer gewissen Logik. „Deutschland – ein Rindermärchen“ ging es dann noch so weiter, und endlich war man dann bei Shakespeares Komödien angelangt. 16 Komödien nach nur einem Rezept, dazwischen gerade mal vier Gags: so schnell, wie dieses Genre abgehakt war, so umfangreich und köstlich wurde dann Hamlet parodiert.
Mit einem hinreißenden Arsenal von Geräuschen und Lichteffekten gelang da ein Highlight, das vielen Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben wird. 17 Sekunden blieben schließlich noch übrig, um das vorgesehene Ende einzuhalten. Was blieb also anderes, um noch einmal den Hamlet zu zitieren? „Der Rest ist Schweigen“ hieß es also, ehe langer und begeisterter Beifall den ungewöhnlichen literarischen Ausflug beendete.