WASSERBURG – Es ist zu vermuten, dass ein Teil der ohnehin kleinen Besucherschar in der Wasserburger St Georgskirche mit anderen Erwartungen gekommen war: das Mozart-Requiem wurde zwar aufgeführt; dass es sich dabei nur um eine Fassung für Streichquartett (und Keyboard) handelte, ist im Vorfeld nicht ganz klar geworden.
Peter Lichtenthal muss man nicht kennen. Auch Klaus Preis, der im Programm mit „Leitung und Cembalo“ angegeben ist, scheint das nicht zu tun, sonst hätte er wenigstens dessen Namen richtig geschrieben. Da Klaus Preis aber auch nicht mit einem Cembalo, sondern einem Keyboard angereist kam, muss das die Besucher nicht wundern.
Peter Lichtenthal jedenfalls war elf Jahre alt, als Mozart starb. Als Arzt und studierter Musiker hatte er Kontakt zu wichtigen Musikern der damaligen Zeit, und die beiden Söhne Mozarts waren seine Freunde. Er hat mehrere Werke des von ihm verehrten Meisters bearbeitet und auf Kammermusik-Besetzung „reduziert“, unter anderem auch das Requiem. Und in dieser Streichquartett-Fassung – ergänzt durch das erwähnte „Cembalo“ – trat nun das „Solistenensemble des Heidelberger Kammerorchesters“ in Wasserburg auf. Mag sein, dass ein gewisses Kalkül in der Ankündigung des berühmten Requiems lag, die von „einer historischen Fassung für kleines Instrumentalensemble“ sprach – einige werden zwar von einem verkleinerten Orchester, wohl aber nicht vom gänzlichen Fehlen des Chores und der Solisten ausgegangen sein.
Trotz dieser musikalischen „Überrumpelung“, die die Besucher immerhin 15 Euro gekostet hat, muss jedoch festgehalten werden, dass die gehörte Fassung des Mozart-Requiems durchaus ihren Reiz und innerhalb der Mozartbearbeitungen auch ihre Berechtigung hat. Der intime Klang eines Streichquartetts ermöglichte einen unverstellten und sehr direkten Zugang zum Gefühlskosmos dieses Werkes. Auch wenn es manchmal schwerfiel, sich nicht gleichzeitig die herrlichen Stimmen im „Dies irae“, dem stürmischen „Confutatis“ oder dem verklärten „Lacrimosa“ vorzustellen und sie mitzuhören, so war es doch eine interessante Erfahrung zu erleben, wie stark die Wirkung dieser Musik selbst ohne vokale Mittel ist.
Musiker zeigen Souveränität
Die Musiker selbst versahen ihren Part in routinierter Souveränität, insbesondere waren seitens der Bratsche und des Cellos oftmals Töne von großer Wärme und Fülle zu vernehmen, was sicherlich auch der Kirchenakustik zu danken ist. Auf den direkten, manchmal doch arg künstlichen Klang des auf „Cembalo“ eingestellten Keyboards hätte man oft gerne verzichtet, nicht zuletzt deshalb, weil die Continuo-Begleitung nicht überall angebracht war.
Am Ende dürften die musikalischen Eindrücke die anfängliche „Enttäuschung“ überlagert haben: eine klare und ausführliche Ankündigung, welche die eigentliche Besonderheit dieser Mozart-Bearbeitung klar herausstellt, wäre unbedingt angebracht gewesen.