„Barberries“ begeistern im „Frisörsalon“ ihr Publikum

LINDAU – Dem überaus großen Andrang nach schien das Lindauer Publikum einen musikalischen Leckerbissen zu wittern; und in der Tat konnte es dann auch erleben, wie das ehemalige Offiziers-Casino mit sängerischer Klasse in einen quirligen Frisörsalon voll gut gelaunter Menschen verwandelt wurde.

Was ist nur mit den Männern los? Da kommt ein rein weiblicher A-Cappella-Chor aus München angereist, hübsch anzusehen und herrlich anzuhören, kündigt fetzige Stücke der verschiedensten Musikrichtungen an – und dennoch bleiben die männlichen Zuhörer weit in der Unterzahl. Liegt es daran, dass die Schwellenangst vor einem Frisörsalon sich auch auf die zugehörige Musik bezieht, die sich vor 100 Jahren in Amerika als sogenannte „Barbershop-Music“ heranbildete und mittlerweile auch in Deutschland immer mehr Anhänger findet? An der Qualität jedenfalls kann es bestimmt nicht gelegen haben, und an einem Mangel an Unterhaltungswert schon gar nicht.

Denn zum Wesen dieser Musik gehört nicht nur eine abwechslungsreiche Choreographie, die den Inhalt der einzelnen Songs mal witzig, mal überzogen und teilweise in abenteuerlichem Outfit visualisiert. Weit wichtiger ist das Beherrschen des typischen „Close-Harmony-Effektes“, der die Stimmen oft ganz nah beieinander führt und in dieser Selbstverständlichkeit nur von erfahrenen Sängerinnen „unfallfrei“ durchgehalten werden kann.

In dieser Hinsicht waren die „Barberries“ über jeden Zweifel erhaben. Das liegt gewiss an Chorleiterin Alexandra Ziegler, die offenbar eine Menge wichtiger Impulse setzt, bestimmt aber auch an den vielen Einzelstimmen, die klar, sauber und ausbalanciert agieren – und dank einer vermutlich intensiven Vorarbeit ohne ablenkende Notenblätter auskommen.

Bemerkenswert ist dabei, dass selbst der „Bass“ innerhalb der meist vierstimmigen Stücke eine beachtliche Präsenz zeigte und somit einem allzu hellen Klangeindruck wirksam entgegentrat. Innerhalb dieser kleinen Bassgruppe befand sich auch die fränkische „Ulknudel“ Uschi, dies sich bestens als Conferencier und Chefin jenes Frisörsalons präsentierte, der an diesem Abend eröffnet wurde, und an dem sich der dramaturgische Ablauf des Programms samt seinen kurzen Sketchen orientierte.

Stürmischer Applaus belohnte

Natürlich ging es dabei hauptsächlich um Liebe, Beziehungen und Männer, letztlich um all das, was „Mann“ sich unter Frauengesprächen in einem Frisörsalon vorstellt. Diese sketchartigen Zwischenteile waren meist amüsant und drohten nur selten die Ausgewogenheit zwischen, Text und Gesang auszuhebeln – kein Wunder, wenn dieser Gesang so herrlich arrangierte Stücke wie etwa „Lollipop“, „Under the Boardwalk“, „It’s my Party“, „Gimme! Gimme! Gimme!“ oder „Fischköppe“ bereithielt und das Publikum mehrmals zu stürmischem Applaus hinriss.

Gerne ließ dieses sich auch zum Mitmachen auffordern und gab dabei nicht einmal die schlechteste Figur ab. Was folgte, waren schließlich mehrere Zugaben und die Befürchtung, dass sich wohl manch männlicher Interessent ärgern wird, diesen musikalischen Frisörtermin nicht wahrgenommen zu haben.