LINDAU – Zu den auffallenden Erfahrungen bei Blueskonzerten gehört, dass dort oft Zuhörer dreier Generationen anzutreffen sind. Das war beim Auftritt des Kanadiers Charlie A’Court in der New Orleans Bar nicht anders, und am Ende waren es gerade die Jüngeren, die sich von der kraftstrotzenden Unmittelbarkeit dieser Musik mitreißen ließen.
Ganz so weit ist es in unseren Breiten noch nicht, dass A’Courts Bekanntheitsgrad hinreicht, um Scharen von Bluesfans in Bewegung zu setzen. Angesichts der wachsenden Zahl von Awards und sonstigen Auszeichnungen, die dem 25-Jährigen in Kanada und den Staaten inzwischen verliehen wurden, ist es aber trotzdem bemerkenswert, wenn es Bernie als lokaler Blues-Papst geschafft hat, einen Künstler dieser Klasse innerhalb dessen Deutschland-Tournee nach Lindau zu holen. Dabei sah es zunächst danach aus, als würde doch ein beträchtlicher Besucherteil fehlen, weil gleichzeitig eine große Geburtstagsparty im Club Vaudeville stattfand, die natürlich potentielle Interessenten abgezogen hat.
Mit fortschreitender Zeit aber füllte sich die New Orleans Bar immer mehr, weil sich nahezu alle Spontanbesucher entschlossen, eine Eintrittskarte zu kaufen, um mitzuerleben, was da auf der Bühne geboten wurde. Und das war nichts weniger als ein Blueskonzert der Sonderklasse. Einer der Gründe dafür war sicher, dass dort Brian Bournes fantastisches Bassspiel auf einem zwölfsaitigen Chapman Stick zu sehen und zu hören war, der dem Ganzen ein wuchtiges und überaus virtuoses Fundament verlieh. Vor allem aber lag es natürlich an dem Sänger und Gitarristen Charlie A’Court selbst, der sich mit seiner kräftigen und wandelbaren Stimme wie selbstverständlich neben die Großen des Blues stellte – und dort nicht zuletzt an den jungen Steve Winwood erinnerte, dessen schwarz gefärbtes Timbre in den Höhen auch damals für Furore sorgte, weil sie in dieser Intensität keinem Weißen zugetraut wurde.
Bluesgetränkte Coverversionen
Bei A’Court klingt das heute zwar oft rockiger, doch wenn er beispielsweise aus einem Soulstück eine neue Coverversion entstehen lässt, dann ist die durch und durch bluesgetränkt und wird zu einer vollkommen eigenständigen Nummer. Geradezu in Bann gezogen hat er die Zuhörer dann am Ende mit „You’ve Got A Friend in Me“, das man sich packender und leidenschaftlicher kaum vorstellen kann. So gehört dieses Konzert mit Sicherheit zu den hiesigen Top-Acts des Jahres – und in Sachen Blues an dessen Spitze.