Musizieren mit großartiger Übereinstimmung

LINDAUNach dem Ausflug ins benachbarte Münster, wo an zwei Abenden Bachs Brandenburgische Konzerte gegeben wurden, haben nun die Lindauer „Klassiktage 2004“ in der vertrauten Umgebung des Gewölbesaals ihren Abschluss gefunden. Zu hören war „Mozarts Klavierwerk zu vier Händen“.

Erneut war es das Geschwisterpaar Sabina Chukurowa und Tahmina Feinsten aus Tadschikistan, das Mozarts Klaviermusikreihe mit Werken zu vier Händen ihrem baldigen Ende näher brachte. Das rasante Tempo im Allegro der B-Dur Sonate KV 358, jenem geistvollen Werk des 18-jährigen Komponisten, bestimmte zwar auch den Schlusssatz, der ohnehin mit „Molto Presto“ notiert ist; doch spürte man spätestens im bewegten Mittelsatz, wie vertraut den jungen Pianistinnen Mozarts Sprache zwischenzeitlich geworden ist: Großer Atem, Gespür für manch schwebenden Übergang, Raum für kompositorische Raffinessen und eine wohltuende Balance innerhalb der Stimmen zeichnete sie aus.

Melancholischer Dialog

Beim „harmlosen“ Andante mit fünf Variationen KV 501 trafen die Geschwister dann ebenso den rechten Ton: Sie vermieden es, dem als Übungsstück gedachten Werk fragwürdige Geheimnisse abzuringen. Interpretatorisch ergiebiger war jedoch die mit nur zwei Sätzen unvollendet gebliebene G-Dur Sonate KV 357, deren herrliche Vorlage das ohnehin wache Spiel der beiden Pianistinnen aus Tadschikistan regelrecht beflügelte und sich im zweiten Satz zu einem melancholischen, immer wieder überraschenden Dialog steigerte.

Gleichwohl wurde dann die abschließende C-Dur Sonate, die der 31- jährige Mozart in Wien vollendet hatte, zum musikalischen Hauptwerk des Klavierabends. Die aufregende Themenverarbeitung im Allegrosatz machten die beiden Russinnen – jetzt mit vertauschten Plätzen – geradezu optisch erlebbar; sie musizierten dieses Konzert mit einer großartigen Übereinstimmung, die sich gleichermaßen im Anschlag als auch im musikalischen Empfinden offenbarte und sich auch bei den nachfolgenden Sätzen fortsetzte.

So war es denn mehr als verständlich, dass dem wiegenden, aber gänzlich unaufgeregt vorgetragenen Schluss-Allegretto ein herzlicher Beifall folgte. Als Zugabe spielten Sabina Chukurowa und Tahmina Feinsten eine Auswahl von drei besonders wehmütigen Ungarischen Tänzen von Johannes Brahms – gerade so, als wollten sie an die tragischen Vorkommnisse in ihrer russischen Heimat erinnern.